Restaurieren 2

Wiederherstellung von Polyesterlackoberflächen.

 
 
Dieser Artikel befasst sich mit der Wiederherstellung von Lackschäden bei Radiogeräten mit Polyesterlackoberflächen, die ab 1959 verwand wurden.
Die Oberflächen unserer Rundfunkgehäuse wurden bis zum Frühjahr 1959 ausschließlich mit Nitrolacken hergestellt.
Bei der Verarbeitung dieses Lackes müssen, um das Einfallen der Poren zu verhindern, mindestens 24 Stunden Trockenzeit eingehalten werden. Um diese Störung im Arbeitsablauf zu beheben, versuchte man durch Trockenkammern oder Trockenkanäle den Arbeitsfluss günstiger zu gestalten; jedoch sind die erzielten Resultate nach den heutigen Ansprüchen nicht mehr befriedigend ( das war 1959 ).

Dies um so mehr, als seit einigen Jahren von den Lackfabriken Polyester für die Oberflächenveredlung empfohlen wird.
Seine Vorzüge gegenüber dem Nitrolack sind folgende:
Eine optimal glasklarer Glanz der Oberfläche, Unempfindlichkeit gegen Kratzer, verdünnte Säuren und alkoholhaltigen Flüssigkeiten. Außerdem wird der Arbeitsfluss im Betrieb durch die schnelle Trockenzeit des Polyesters erheblich günstiger. Mit der Einführung des Polyesterlackes war neben einigen Änderungen der Fabrikeinrichtung auch eine Umschulung des Personals nötig. Alle, vom Spritzer bis zum Endpolierer, mussten umlernen, und es ist auch an der Zeit, dass die Polierer des Handels sich mit dem Material vertraut machen, da die Geräte und Truhen mit Polyesteroberfläche in ständig größerer Zahl auf dem Markt erscheinen. Sie  müssen mit dem Material so vertraut sein, dass sie kleine, auf dem Transport entstandene Schäden an Ort und Stelle beseitigen können.

So Ende des Vorworts, nun geht´s an die Arbeit.

Leichte Kratzer werden mit Schleifpapier, möglichst  600er Körnung, ausgeschliffen und anschließend mit einer kleinen Schwabbelmaschine blankgeschwabbelt. Geschwabbelt wird mit einer Schleifpaste, wobei zu beachten ist, dass mit einer fettigen, griffigen Paste vorgeschliffen und zum Schluss mit einer trockenen Paste nachgeschwabbelt wird. Grobe Schäden sind etwas schwieriger zu beseitigen, jedoch lässt sich grundsätzlich jeder Lackfehler an Truhen oder Gehäusen ausbessern. Wir haben zum besseren Verständnis nachfolgend mehrere Aufnahmen hergestellt, welche die einzelnen Operationen der Beseitigung eines groben Fehlers zeigen.

  Bild 1

Ein Gehäuse ist auf eine Kante gefallen und die Lackschicht wurde stark beschädigt. Mit einem scharfen Messer wird die Lackschicht, soweit sie sich durch den Schlag gelöst hat, ausgeschnitten. Die Größe des Fehlers ist an der hellen Verfärbung des Lackes an der Schadensstelle - ähnlich einer darunter befindlichen Luftblase - zu erkennen.

 Bild 2

Hier wird dargestellt, wie die Schnittkante und umliegende Stelle der Lackfläche mit Schleifpapier 500er Körnung mattgeschliffen wird; dies muss sehr gewissenhaft durchgeführt werden, um alle Fettreste der Oberfläche zu beseitigen, da eine gute Haftung des Lackes nur bei sauberer Fläche gewährleistet ist.

  Bild 3

Es wird angenommen, dass beim Schleifen die Tönung des Holzes angeschliffen wurde, also helle Stellen entstanden sind. Diese lassen sich mit etwas Phantasie mit normaler Tusche ( oder Beizen ), wie sie jeder Tischler kennt, nachtuschen ( oder nachbeizen ). Mit einem Tuschpinsel läst sich die schönste Maserung vortäuschen.

  Bild 4

Nachdem die getuschte ( oder gebeizte ) Schadstelle abgetrocknet ist, denn auch Feuchtigkeit ist für eine gute Haftung nachteilig, wird ein wenig des Lackes gemischt. Der damals benutzte Polyesterlack wurde im Verhältnis  10 : 1 angesetzt.  Das heißt zehn Gewichtsteile Lack mit einem Gewichtsteil Härter gut verrührt.  ( Möglichst Porzellan oder Kunststoffgefäße benutzen ). Ist der Lack so eingerührt, so ist Eile geboten, denn schon nach 15 Minuten beginnt er zu erstarren. Der Fachmann sagt, der Lack hat eine Tropfzeit von 15 Minuten. Der Lack wird, wie Bild 4 zeigt, ziemlich reichlich mit einem Pinsel aufgetragen. Das Gerät ist so zu legen, dass die Schadstelle oben liegt ( waagerecht ), damit der Lack gut verläuft. Pinsel und Gefäße sofort nach Gebrauch mit Verdünnung auswaschen, da sie sonst nicht mehr zu gebrauchen sind.

  Bild 5

Nach ca. 4 Stunden ist der aufgetragene Lack erhärtet und kann weiterverarbeitet werden. Mit einer Vorfeile ( nicht zu grob, siehe Bild) wird der zuviel aufgetragene Lack an der Schadensstelle glattgefeilt. Ein gerades Abfeilen ist wichtig, denn mit Schleifpapier und Schleifklotz würde bei dieser Operation unweigerlich die umliegenden Flächen erneut durchgeschliffen, was durch die Feile  vermieden wird. Bitte beachten Sie Bild 5 genau. Die Person feilt von der zu schleifenden großen Fläche nach außen. Sie benutzt auch den Zeigefinger rechte Hand als Stütze, damit die Feile die Fläche nicht erneut beschädigt oder ankratzt.

  Bild 6

Zeigt die weitere Verarbeitung der Schadstelle. Das Bild zeigt das anschließende Verschleifen der Schadstelle mit der Fläche. Es ist mit 400er Schleifpapier und Klotz vor - , jedoch mit 500er Körnung nachzuschleifen. Etwas Übung und Vorsicht bei dieser Operation lassen den Fehler im Lack vollständig verschwinden. Auf dem Bild ist noch gut die Lacknaht zu sehen (siehe Schleifklotz - Daumen dunkle Stelle). Links, zur unteren Kante des Gehäuses hin, ist die Lacknaht jedoch bereits mit der Fläche verlaufen, sodass sie nicht mehr erkennbar ist.

  Bild 7

Nachdem  wie auf Bild 6 die Lacknaht verschliffen ist, gehen wir über in den letzen Arbeitsgang, das Schwabbeln oder Polieren. Für diesen Zweck wurde bei der Firma Loewe Opta 1959 eine Schleifmaschine Type FLEX DL 14 des Herstellers Ackermann & Schmidt KG, Stuttgart, mit der dazugehörigen Schwabbelscheibe benutzt. Die Schwabbelscheibe ist mit Schwabbelwachs zu bestreichen, d.h. gegen die laufende Scheibe das Wachs halten, dann benetzt sich durch die Reibung die Unterkante der Scheibe. Nun, wie im Bild 7 dargestellt, schwabbeln. Ein reichlicher Druck ist hierbei notwendig, die Lackfläche darf sich leicht erwärmen. In kurzer Zeit wird zur Freude des Ausführenden von dem Schaden nichts mehr zu sehen sein. Das Schwabbelwachs wird anschließend mit einem auch heute im Jahre 2001  im Handel  erhältlichem Poliermittel gereinigt und entfettet, und fertig ist das Gerät und wieder wie neu.

Ich hoffe, dass Ihnen dieser Artikel aus dem Jahre 1959 aus dem Loewe Opta - Kurier geschrieben von A. Franz gefällt und Ihnen hilft bei der Wiederherstellung beschädigter Gehäuse oder auch anderer Teile, die mit Polyesterlacken hergestellt wurden. Denn diese Methode ist auch heute noch anwendbar.

 

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