Restaurieren 3

Entfernen alter Farbschichten an alten Radios

 

Da die Furnierstärke bei Radios nur sehr dünn (O,5mm) ist, sollte das Abschleifen tunlichst unterbleiben, da das Furnier sonst sehr schnell durchgeschliffen werden kann, insbesondere an Rundungen und im Kantenbereich. Der dadurch entstandene Schaden, lässt sich nur mit sehr viel Sorgfalt und handwerklichen Können beheben. Es gibt zwei schonende, sichere Methoden.

1. Abbeizen, wer sich die Sauerei antun mag, mit befriedigendem Ergebnis. Gut mit Nitroverdünnung nachwaschen, um Reste von Farbe und Abbeizpaste aus den Poren zuwaschen.

2. Die zu bevorzugende und schnellste Möglichkeit: Abziehen mit einer Ziehklinge. Man besorge sich eine Ziehklinge, rechteckig 0,8mm stark und eine Ziehklinge in Schwanenhalsform 0,7mm stark sowie einen Ziehklingenstahl zum nachschärfen.

       


Die Ziehklinge mit beiden Händen anfassen und einwenig biegen. Damit kann man nun den Lack abziehen, wenn man die Ziehklinge auf sich zubewegt. Teilweise ist mehr, oder weniger Druck notwendig. Wer dicke Schichten abziehen will, kann mit der Schwanenhalsklinge schneller zum Ziel kommen, da die Kraft hier auf eine ca. 5mm breite Fläche zu liegen kommt und somit mehr Druck auf die Fläche ausübt. Nacharbeiten dann mit der rechteckigen Klinge. Nur so lange ziehen bis der Lack abgezogen ist. Verunreinigungen und Schattierungen im Furnier, dann mit 240er Schleifpapier nacharbeiten.

Nach abstauben kann nun vorsichtig mit einem feuchten Schwamm das Furnier angefeuchtet werden. Nach guter Trocknung haben sich die Holzfasern aufgerichtet und lassen sich mit 240 Schleifpapier ohne Druck auszuüben, nachschleifen. Es empfiehlt sich das Furnier im geeigneten Ton zu beizen, entweder mit wasserlöslicher, oder lösemittelgelöster Holzbeize.

Somit hat alles einen einheitlichen Farbton erhalten. Die meisten Röhrenradios mit Holzgehäuse sind mit Nitrozelluloselack lackiert worden. Dieser Lack lässt sich sehr einfach und schnell, NUR im Spritzverfahren verarbeiten. Entweder Seidenmatt, Hochglänzend, oder wie damals üblich als Schwabbellack, mit Glasartig glänzender Oberfläche. Wer mit Pinsel arbeiten will, sollte einen Alcydharzlack wählen. Ungeübten sei noch eine Holzlasur, lösemittelhaltig!, empfohlen. Sie ist meist seidenglänzend und sehr leicht zu verarbeiten, ohne Pinselstriemen zu hinterlassen, wie es bei Lack passieren kann, wenn man nicht gerade vom Fach ist.

Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.


Danke an Heiner Schiche Restaurator aus Hamburg für die Mithilfe.

 

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