10 Jahre Radiomuseum Bocket

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Das Radiomuseum Bocket, dass sich hauptsächlich auf Geräte der Firma Loewe Opta konzentriert, wurde zehn Jahre alt. Hans Stellmacher, Gründer und Betreiber dieser privaten Sammlung, berichtet hier, wie es dazu kam.

Beitrag von Hans Stellmacher.

Überarbeitet von Peter von Bechen für die GFGF Funkgeschichte Nr. 174

Es begann irgendwann zwischen 1993 und 1994. Von einem Radiomuseum war damals eigentlich noch nicht die Rede, aber die Grundlagen dazu wurden damals gelegt. Hans Stellmacher aus Bocket, einem Ortsteil von Waldfeucht im Kreis Heinsberg, interessierte sich eigentlich schon immer für Technik und ganz besonders für alte Radios. Die Initialzündung zu seiner späteren Sammelleidenschaft kam aus der Familie. „Einer meiner Söhne hatte ein Grundig-Gerät, Type unbekannt, als Gitarren-Verstärker umgebaut,“ berichtet er. Gitarren-Freaks schätzen den Sound, der sich nur mit Röhren erreichen lässt. „Weil diese Konstruktion eines Tages einem richtigen Verstärker weichen musste, bekam der Papa das Gerät.“ Dieses wurde wieder in den Ursprungszustand zurückgebaut. „Leider hatte man auf der Oberseite eine Klinkenbuchse eingebaut, deshalb war das Gerät nicht mehr herzurichten. Damit wurde das Gerät später ein Kandidat für das Ersatzteilelager.“

Konzentration auf Loewe-Opta

Hans Stellmacher packte das Sammlerfieber. „Als erstes sammelte ich Radios aller Art. Anfangs kamen sehr viele aus den Niederlanden. Das ist kein Wunder, ich wohne hier schließlich sehr nahe an der Grenze.“ Nachdem sich die Zahl der Geräte stetig vergrößerte, kam irgendwann der Gedanke, ein Museum einzurichten. „Ich wollte aber nicht den Fehler vieler Sammler machen, alles zu sammeln, was mir in die Finger kommt,“ erläutert Hans Stellmacher. Das endet meist in einem Sammelsurium ohne Konzept. „Ich erinnerte mich, dass in meiner Geburtsstadt früher einmal Loewe-Geräte gebaut wurden, nämlich bei Opta Spezial in Düsseldorf,“ so Stellmacher. Trotzdem: „Zu diesem Zeitpunkt dachte ich allerdings noch nicht daran, dass ich einmal ein Loewe Opta-Museum aufbauen würde.“


Der Rundfunk kommt So vergingen noch einige Jahre, bis es zu ersten Reaktionen der Medien kam. Als erstes meldete sich der Rundfunk im Museum an. „Mit einigen mir bekannten Sammlern wurde eine fast zweistündige Sendung aufgezeichnet, die dann am 09.09.1997 in der Zeit von 20.04 bis 21.56 Uhr ausgestrahlt wurde. Dann wurde später nochmals eine Sendung aufgezeichnet,“ berichtet Hans Stellmacher. Das hatte medienwirksame Auswirkungen: „Anschließend kamen diverse Zeitungen auf mich zu und sogar das TV-Programm WDR Regional.“ Herausgekommen ist ein Beitrag, der auch in der Nacht und morgens danach bundesweit ausgestrahlt wurde.

Die Zeit schritt weiter voran. Hans Stellmacher schloss sich der GFGF (Gesellschaft der Freunde der Geschichte des Funkwesens e.V.) an. Auf Grund seiner Erfahrungen und Kenntnisse übernahm er die Funktion des Loewe-Opta-Typenreferenten. „So kann ich anderen Sammlern helfen, wenn sie Fragen zu ihren Geräten haben.“ Im Gegenzug unterstützt die GFGF die Museumsaktivitäten in Bocket. „Dank der GFGF gibt es das Museum heute noch, und Besucher können sich der alten Geräte weiterhin erfreuen,“ berichtet er.


Nicht nur in Bocket, sondern auch weltweit ???

Das Radiomuseum ist räumlich ganz im Westen Deutschlands angesiedelt. Aber um einen Einblick in die Sammlung zu bekommen, muss man nicht an die holländische Grenze fahren. Über das Internet sind die Exponate weltweit anzuschauen. Neben dem virtuellen Museum betreibt Hans Stellmacher noch eine weitere Website. Hier können Radiosammler ihre überflüssigen Ersatzteile einstellen oder das, was sie zum Restaurieren ihrer Radios suchen. Die Beschaffung solcher Teile, die ja seit Jahrzehnten nicht mehr hergestellt werden, wird immer schwieriger. Besonders Skalenscheiben, die leicht zerbrechen, oder Rückwände, die bei vielen Geräten irgendwie abhanden gekommen sind, zählen zu den gesuchten Teilen. „Es geht mir darum, anderen Sammler zu helfen. Es kommt nämlich immer wieder vor, dass das Teil, welches der eine Sammler sucht, bei einem anderen nutzlos herumliegt,“ berichtet er.

Die Website des Museums wird erstaunlich gut besucht. „Obwohl wir Radiosammler einem etwas ungewöhnlichen Hobby nachgehen, ist die Website bei vielen Internet-Surfern sehr beliebt. Es gibt offensichtlich viele Leute – seien es Sammler oder nicht, – die gerne in den Museumsseiten stöbern,“ vermutet Hans Stellmacher.


Öffentliches Museum?

Dass aus der privaten Sammlung noch kein „richtiges“ öffentliches Museum geworden ist, liegt nach Ansicht von Hans Stellmacher daran, dass der Heimatgemeinde hierfür das Geld fehlt. „Trotzdem ist das Radiomuseum inzwischen in den Tourismusverband des Kreises Heinsberg aufgenommen worden,“ berichtet Hans Stellmacher. Man findet entsprechende Informationen auf der Website, die für den Tourismus in der Region wirbt. „Auf diese Weise kommen sicherlich auch Besucher, die mit der Radio-Sammler-Gemeinde nichts zu tun haben.“


Noch kein Besuch aus Kronach

Nachdem die meisten Radioproduzenten mit klangvollen Namen wie Grundig, Saba, Telefunken und wie sie alle hießen, in den letzten Jahrzehnten untergegangen sind, ist Loewe heute einer von nur noch zwei verbliebenen Herstellern, der in Deutschland mit Erfolg Fernsehgeräte produziert. Ein wenig enttäuscht ist Hans Stellmacher, dass bis heute noch kein Vertreter der Firma aus dem bayerischen Kronach den Weg nach Bocket gefunden hat. „Das finde ich sehr schade, denn in meinem Museum zeige ich ja die hervorragenden Leistungen, die hinter dem traditionsreichen Markennamen stehen.“ Hans Stellmacher hat einen guten Kontakt zu Loewe in Kronach. „Ich glaube sagen zu dürfen, dass auf Grund meiner Aktivitäten auch ein Arbeitskreis in Kronach unter Leitung von Kilian Steiner ins Leben gerufen wurde.“

Zum Schluss spricht Hans Stellmacher noch eine herzliche Einladung aus: „Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Leser dieses Beitrages den Weg nach Bocket ins Museum finden.“


Bild zeigt: stehend von links nach rechts. Bruno Hoderlein Loewe Mitarbeiter – Hans Betreiber RMB – Ex-Mitarbeiter Loewe in Rente.

Untere Reihe links nach rechts: Ex-Mitarbeite Loewe in Rente -Peter Goller setzte sich ein für den Arbeitskreis Loewe in Kronach.