Fehlerbeschreibung: Ein Kammermusik-Super 92GW von Siemens,

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Fehlerbeschreibung:

Ein Kammermusik-Super 92GW von Siemens, Baujahr 1938/39, hatte folgenden Fehler:

Der Abgleich von Oszillator- und Vorkreis (Mischstufeneingang) ließ sich auf MW und KW nur am langwelligen Ende der Skala bei 600 kHz (bzw. 6,6 MHz auf KW) mit den Spulenkernen abgleichen.

Am kurzwelligen Ende (1600 kHz/MW, 16,6 MHz/KW) war der C-Trimmer ohne Funktion und der Empfangsbereich reichte bis über 2000 kHz bzw. 25 MHz. Auf LW war der Abgleich mit den Spulenkernen normal möglich.

Ursache:

Die C-Trimmer waren keramische Scheibentrimmer, deren Silberbeläge völlig durchoxydiert bzw. sulfatiert waren (Gummiteile im Gerät = Schwefellieferant ?). Die nicht mehr einstellbare Restkapazität betrug (gemessen mit dem KARU von R&S) unabhängig von der Stellung des Rotors etwa konstant 5 pF anstatt ca. 10 ... 30 pF. Auf Langwelle ist kein C-Trimmer vorhanden, der Abgleich geschieht bei 250 kHz ausschließlich mit den Spulenkernen und war deshalb normal durchführbar.

Das Bild zeigt die C-Trimmer in der Schaltung.

Die Spulenträgerplatte des 92GW, die C-Trimmer befinden sich oberhalb zwischen dem Spulenträger und dem Chassis.

Lösung:

Der Spulenträger wurde ausgebaut und der Trimmerträger entfernt.

Das Bild Nr 3 zeigt rechts den alten Trimmerträger. Eine neue Trägerplatte mit Lochraster (im Bild 3 links) wurde zugeschnitten und die Lage der alten keramischen Trimmer mit Filzschreiber eingezeichnet (die schwarzen Linien auf dem Photo, die Ersatztrimmer liegen dadurch später (möglichst) genau unter den zugehörigen Chassislöchern).

Da die Schalterkontakte des Wellenschalters (Nockenschalter) blank auf der Oberseite der Spulenträgerplatte liegen, mußte die neue C-Trimmer-Trägerplatte umgekehrt, d.h. mit der Kupferseite nach oben montiert werden.

Der Abstand zwischen Spulenträger und Chassis beträgt nur ca. 8 mm. Es wurden Folientrimmer von Phillips aus neuerer Produktion verwendet (... aus den 70er und 80er Jahren).

Bild 4 zeigt diese Trimmer:

Die violetten haben (gemessen mit KARU) 8 ... 50 pF und wurden für MW (C2 und C4 im Plan 1) eingesetzt. Die grünen Trimmer haben 6 ... 18 pF (KARU) und wurden für KW benutzt (C1 und C3 im Plan 1).

Bild 5 zeigt die Trimmer nach Einbau der Spulenplatte.

Der abschließende Abgleich:

Auf MW wurde bei 600 kHz (Spulen) und 1310 kHz (C-Trimmer C2 und C4) und auf KW bei 45 m (= 6,6 MHz) mit den Spulen und bei 18 m (= 16,6 MHz) mit den C-Trimmern (C1 und C3) der Abgleich durchgeführt. (Bei den genannten Frequenzen und Wellenlängen befinden sich Kalibrier-Marken auf der Radio-Skala).

Das Radio erreichte danach wieder seine "normale" HF-Eingangsempfindlichkeit.

Abschließend ein Bild vom Kammermusik-Super 92GW, ein typischs Mittelklasse-Radio von Ende der 30er Jahre.