Loewe Opta Das Phantom

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Das Loewe – Detektor – Phantom.

Beitrag von Herrn Börner

Bild 1: Der in der " Loewe – Story "abgebildete angebliche " Loewe – Detektorempfänger".

Hier nun ein Bericht aus der Funkgeschichte ( GFGF ) 12 von 1989 Nr. 69 von Dr. Herbert Börner Ilmenau.

Auf den ersten Seiten der Loewe – Story ( 1 ) ist ein Detektorempfänger abgebildet, dem schon lange mein Interesse, aber auch meine Skepsis galt. Die Bildunterschrift lautet: " Die Eröffnungssendung des deutschen Rundfunks in den Berliner Voxhaus konnte man bereits mit diesem Detektorempfänger von Loewe hören" ( Bild 1). Aus der Typenliste der Loeweschen Firma " Radiofrequenz" ( 2 ) geht hervor, das Loewe 1923-24 tatsächlich Detektorempfänger fertigte. Das abgebildete Gerät trägt aber schon das Firmenschild "Loewe – Radio, Berlin – Steglitz" muss also aus der Zeit nach 1926 stammen. Darauf weisen auch die Skala und Drehknopf hin, die mit denen des 2H3N übereinstimmen. Unüblich für einen Detektorempfänger sind die beiden unbeweglichen miteinander gekoppelten Spulen – oder sollte jemand an die Stelle des – fehlenden – Kristalldetektors eine Spule eingesteckt haben?

Viele Jahre lang konnte ich auf diese Frage keine richtige Antwort finden. Da schlug mal wieder der Zufall zu, indem man mir die Nachdrucke der ersten Jahrgänge der FUNKGESCHICHTE ins Haus sandte. Denn beim Stöbern fand ich folgende Notiz: "Der Detektorempfänger auf Seite 6 der "Loewe Story" stammte ursprünglich einmal von Herrn Strößner, der ihn der Firma Loewe im Jahre 1959 zur Verfügung gestellt hat." ( 3 ). Auf meine Nachfrage wusste Herr Strößner folgendes zu berichten: "Vor dem Jahre 1930 lieferte die Firma Loewe noch direkt an Private und auch an "Sammelbesteller" aus. Auf diese Weise verdiente sich der Hausmeister und Kantinenwirt des Postamtes Coburg ein Zubrot, obwohl er keinerlei Fachkenntnisse hatte. Über Fachfragen informierte er sich bei meinem Vater, der damals Leiter einer Fernmeldedienststelle war. Die Empfangsfeldstärken der umliegenden Sender waren damals in Coburg recht gering, daher wurde der 2H 3N am meisten verkauft. Daneben waren die Loewe – Konuslautsprecher gut abzusetzen, weil man sie direkt zum Abhören des seinerzeit in Bayern üblichen Niederfrequenz – Drahtfunks verwenden konnte. Mit der NF- Spannung aus der Steckdose war mittlere Lautstärke ohne Verstärker zu erzielen".

Bild 2: Abbildung des Loewe – Sperrkreises ( aus Katalog Radio Schnorr 1927/28 ).

"Bei irgendeiner Reklamation hatte man dem Hausmeister einen Siebkreis mitgeliefert. Er wusste aber mit dem Gerät nichts anzufangen und gab es meinem Vater. Das Gerät war in einer Schachtel verstaut bis zu dem Zeitpunkt, als ich mich während meiner Schulzeit für die Funktechnik zu interessieren begann und naturgemäß mit dem Detektorbau anfing. Mein Vater stand allerdings meinen ersten Versuchen wegen der geringen Empfangsfeldstärken mit Skepsis gegenüber. Zu Beginn des Krieges, als es öfters Netzausfälle gab, änderte er jedoch seine Meinung. Es wurden die alten Honigwabenspulen hergesucht und der alte Loewe – Siebkreis als Empfänger umgebaut. Zwei Telefonbuchsen wurden nachträglich eingebaut und ein Schildchen TELEFON darunter genagelt. Wir benutzten eine ca. 60 m lange Antenne etwa 18 m über Grund. Der Deutschlandsender auf Langewelle war am besten zu empfangen, daneben Leipzig. Sender aus dem süddeutschen Raum waren leider nicht zu hören. Später wurden die Sachen dann wieder weggepackt. Mein Vater wollte schon alles wegwerfen, doch sein sammlerisches Empfinden hielt ihn davon ab. Er war der Meinung, der Firma Loewe – Opta in Kronach einen Dienst zu erweisen und übergab 1960 den umgebauten Siebkreis und einen 2H 3N an das Werk.

So gelangten die Geräte in die "Loewe–Story" Es ist auf Seite 6 wohl ein Detektorempfänger abgebildet, jedoch kein Original – Loewe – Empfänger, sonder der Loewe – Siebkreis, den mein Vater 1941 umbaute! Anstelle des Kristalldetektors hat ein unkundiger Firmenangehöriger eine ockerfarbene Steckspule eingesteckt, denn ein Schildchen mit der Aufschrift DETEKTOR hatte mein Vater damals nicht zur Hand.

Eine Richtigstellung bei der Firma Loewe–Opta bewirken zu wollen, käme meines Erachtens einen Kampf gegen Windmühlen gleich, daher habe ich bisher nichts in dieser Richtung unternommen. " (4)

Was wir hiermit nachholen möchten.

Literatur :

( 1 ) Dennewitz, R.-D.: Loewe – Story, München ; Franzis 1973; S.6 ; Kopie auch in FUNKGESCHICHTE 3 ( 1980 ) Nr.11 S. 21

( 2 ) Börner , H.; Systematik der Typenkennzeichnung; Radiofrequenz 1923 – 1926, Loewe – Radio 1927 – 1935, Opta – Radio 1936-1942. Funkgeschichte 12 ( 1989 ) Nr. 66 S. 18 – 21

( 3 ) Neumann, K.; Notiz in FUNKGESCHICHTE 3 ( 1980 ) Nr. 11 S. 40

( 4 ) Mit freundlicher Erlaubnis von Herrn Gerhard Strößner aus einem privaten Brief von 4.4.1989 zitiert.

Dank an Herrn Börner, der den Artikel exklusiv für www.radiomuseum-bocket.de überarbeitet hat.

Eintrag des Radiomuseums:

Hier ist ein Siebkreis zu sehen, der in Berlin – Steglitz hergestellt wurde.

Der oben erwähnte Detektor der Firma Loewe wäre somit vor 1927 hergestellt und müsste dann in Berlin – Friedenau gebaut worden sein.


Wer kann behilflich sein mit einem Original – Foto eines Loewe Detektors vor 1927 aus Berlin – Friedenau?