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Geschichten die das Leben schrieb.

Süd Afrika / Waldfeucht Bocket im Oktober 2011

Im Oktober 2011 erreichte das Radiomuseum Bocket eine Mail, in der von einer Frau beschrieben wurde, das Ihre Eltern einst ein Geschäft in Süd Afrika betrieben, und das dort Loewe Opta Geräte vertrieben wurde. Einige sehr schlechte Bilder kamen in dieser ersten Mail ebenso mit.

Es handelt sich hier um eine Familie Schlesinger die einst 1936 nach Süd Afrika auswanderte.

South Africa / Waldfeucht Bocket, October 2011

During the month of October 2011 the Radiomuseum Bocket received mail from a lady, in which she told us that her family used to have a business in South Africa,

and that they were selling Loewe Opta equipment. Some pictures also came with that mail, but unfortunately they were not of very good quality due to their age.

This is the story of the family Schlesinger who emigrated to South Africa in the year 1936.

The writer is Charmaine Schlesinger.


Zitat:

Dear Sir,

My late parents imported Loewe Opta for our shop in Port Elizabeth, South Africa, in the 1950’s 1960’s and possibly into the 1970’s. I have in front of me a “mobile” (not a cell phone!) lion with Loewe Opta on its tummy. It is the last mobile, saved from the time the shop closed its doors when my father emigrated to England, in 1977. They used to hang from the ceiling of the shop. My parents always bought VW Kombi’s, and both our home vehicle, and the delivery van were VW with a large Loewe Opta Lion on the front. I will scan my mobile and a picture of our Kombi so that you can see. My father, Werner Ludwig Schlesinger, was born in Berlin in 1910. He became a Radio Technician and later a journalist for a Jewish newspaper. He fled in 1936 to South Africa. When I saw that Mr Loewe was also born in Berlin, I suddenly understood why my father would have imported goods from Loewe Opta. I do not know really why I am writing this to you, except that with both my parents deceased, and only a sister living in the USA, our past recedes into obscurity, and Loewe Opta was a name that I knew as a child as well as I know my own. We have many newspaper adverts that my father kept, of all the radios for sale at our shop and there would have been Loewe Opta radios there too. I didn’t read the whole article of your museum, just thought this might be of interest to you. Unfortunately I took the whole box of my father’s paperwork of his life to the USA to my sister, so I have very little here. I would ask her to see what she has, if it would interest you to have South African Loewe Opta adverts for your museum. I see one of the radios had numerous lion toys on top – where did the Lion symbol start? I expected to open the page and see the familiar lion staring out at me, but it wasn’t so. I hope that my coloquial English is understandable. I will scan the pictures separately, and send them to you.

Hier ist der erste Teil:

Sehr geehrte Herr.

Meine mittlerweile verstorbenen Eltern importierten Loewe Opta für unser Geschäft in Port Elizabeth, Südafrika, in den 1950ern, 1960ern vielleicht sogar noch in den '70ern. Während ich das hier schreibe, habe ich vor mir ein 'mobile' (kein Handy!) "Löwe" mit Loewe Opta vorne drauf. Es ist das letzte übrig gebliebene "(mobile)" von der Zeit, als die Türen geschlossen wurden, weil mein Vater nach England auswanderte, das war 1977. Diese Geräte hingen immer von der Ladendecke. Meine Eltern kauften immer VW-Busse. Beide unserer Wagen, der Familienwagen und der Lieferwagen waren VW und hatten großen Loewe Opta Löwen vorne drauf. Damit Sie es sehen können, schicke ich Ihnen je ein Bild meines "(mobile)" und unserer VW Busse. Mein Vater, Werner Ludwig Schlesinger, wurde 1910 in Berlin geboren. Er wurde Radio Techniker und später Journalist bei einer jüdischen Zeitung. 1936 floh er nach Südafrika. Als ich herausfand, daß Herr Loewe auch in Berlin geboren war, verstand ich plötzlich warum mein Vater Waren von Loewe Opta importierte. Ich weiß wirklich nicht, warum ich dies an Sie schreibe, außer dass beide meine Eltern nun verstorben sind, meine Schwester lebt in den USA, und dass unsere Vergangenheit so schnell in Vergessenheit gerät. Der Name Loewe Opta ist mir schon seit Kindheit genau so gut bekannt wie mein eigener. Von all den Radios, die in unserem Laden verkauft wurden und da waren viel Loewe Optas darunter, haben wir viele Zeitungsannoncen, die mein Vater aufgehoben hatte. Ich dachte, daß dies für Sie von Interesse sein könnte, obwohl ich nicht den ganzen Artikel über das Radiomuseum Bocket gelesen habe. Leider habe ich den vollen Kasten mit Papierdokumenten vom Leben meines Vater's zu meiner Schwester in den USA genommen, demzufolge habe ich hier sehr wenig in dieser Richtung. Falls Sie interessiert wären, Loewe Opta Annoncen von Südafrika für das Radiomuseum zu haben, würde ich meine Schwester fragen, zu sehen was da ist und mir es dann für Sie zurückzuschicken. Ich sehe, da oben auf einem Radio sind mehrere Spielzeuglöwen – wo wurde mit diesem Symbol angefangen? Ich hatte erwartet, dass mir beim Öffnen Ihrer Webseite ein Löwe ins Gesicht schaut, aber das war leider nicht der Fall.

Ich hoffe, dass Ihnen mein sprachgebräuchliches Englisch verständlich ist.

Die Bilder werde ich scannen und Ihnen dann separat zuschicken.

Eine weitere Mail:

Dear Herr Stellmacher,

Do you know whether Loewe Opta made a reel to reel tape recorder in the 1960’s called an Ortacord 416? I have two, but the name on the outside has fallen off – it could be in the storage box, but I need time to look. I cannot remember if they were Loewe Opta or not. Of course the other thing is the tapes themselves – I have hundreds. All Loewe Opta. I have just found the negatives of one set of pictures of the Volkswagen Kombis with the lion on the front. Shall I have the pictures made and send them to you? I think that is the best way, then too I can choose the best photo and make a nice big one and post it. My mother used to say that Simba Chips pinched her lion – you know Simba Chips have a lion too. I hope you understand my meaning. I think her meaning was that Loewe Opta had the picture of the Lion first and then Simba Chips decided they also wanted a lion. Simba was the name of a Lion in the African tradition, so if they called their chips “Simba”, it stands to reason that they needed a picture of a lion. Were you able to see the picture of the little lion that I sent? Or was that also too small? The mobile is very small, only 7 cm. The picture was very clear on my side when I opened the attachment prior to sending it to you.

Herr Stellmacher, I have just looked properly at the newspaper advert that was in the album – I have never studied these picture before – now I have looked closely, and I see that it is an advert for the same reel to reel tape recorder that I have.

Sehr geehrter Herr Stellmacher,

Wissen Sie ob Loewe Opta in den 1960ern ein Reel-to-Reel Tonbandgerät Modell Ortacord 416 herstellte?

Ich habe zwei davon, aber der Markenname ist von der Außenseite abgefallen – könnte in der Kiste sein, aber ich muß erst Zeit haben zum Suchen.

Ich kann mich nicht daran erinnern, ob das Loewe Opta Geräte sind.

Natürlich die Bänder sind eine andere Angelegenheit – ich habe hunderte, alle Loewe Opta.

Ich habe gerade eben eine Serie Negative der VW Busse gefunden mit dem Löwen vorne drauf. Soll ich davon Bilder machen lassen und sie Ihnen zuschicken?

Ich glaube, daß es so am Besten wäre. Auf diese Weise kann ich für eine grosses Bild das beste Negativ auswählen und es einstellen.

Meine Mutter sagte immer, daß Simba Chips (Hans, falls Du das nicht weißt, das sind Südafrikanische Kartoffelchips) ihren Löwen gestohlen hatten. Sie wissen ja, daß Simba Chips auch einen Löwen als Schutzmarke haben. Ich hoffe, daß Sie verstehen wohin ich damit hinaus will; ich denke, daß meine Mutter der Ansicht war, daß Loewe Opta den Löwen als erste Firma hatte und daß sich Simba dann entschloß, auch einen Löwen zu haben. Simba war der Name eines Löwen afrikanischer Tradition; nachdem sie ihre Chips "Simba" nannten, war es folgerichtig, daß sie auch eine Löwen haben wollten.

Konnten Sie das Bild des kleinen Löwen 'entziffern', das ich Ihnen geschickt habe, oder ist das auch zu klein? Das 'mobile' ist sehr klein, nur 7cm. Das Bild war sehr klar an meinem Ende; ich öffnete das email attachment ehe ich es an Sie losschickte.

Herr Stellmacher, ich habe mir eben noch einmal die Zeitungsannonce in dem Album genauer angesehen – ich habe das bis jetzt nie getan. Beim genauerem Hinsehen erkenne ich, daß die Annonce dasselbe Reel-to-Reel Gerät zeigt, wie das das ich habe.

Also meine beiden Tonbandgeräte sind Löwe Opta.

Sie wurden vor einpaar Jahren repariert, als ich dann endlich Bänder spielte, funktionierte aber nur das eine.

Sie würden es sicherlich wieder zum Spielen bringen.

Das macht mir Alles so viel Spaß!

Viele Grüße, Charmaine Schlesinger.

loewe_opta_advert_ in_oosterlig

Hier die Übersetzung aus Afrikanisch in Englisch und Deutsch.

Loewe Opta

Wishes well its South African Distributors from the Eastern Cape.

(LO wuenscht Ihrem suedafrikanischen Verteiler im Ost Kap, alles Gute)

On the occasion of their 20th year of service to the public of Port Elizabeth.

(Zu Ihrem 20sten Jahr in Dienst fuer die Einwohner von Port Elizabeth)

Loewe Opta, established in 1923, is one of the biggest manufacturers of radios, televisions and tape recorders.

(LO, gegruendet in 1923, ist eines der groessten Herstellers von Radios, Fernseher und Casettenspieler)

Because of South African import regulations at the moment we only offer our tape recorders in South Africa.

(Wegen suedafrikanischen Importgesetze, sind zur Zeit nur Casettenspieler in Suedafrika erhaeltlich)

Loewe Opta – Pioneers in the area of electronic research – offers the latest technical inventions and modern appliances at the best prices.

(LO fuehrend auf dem Gebiet elektroinischer Wissenschaft – bietet die neusten technischen Entwicklungen, und moderne Haushaltsgeraete zu besten Preisen.)

Loewe GmbH. Three factories in West Germany. West Berlin, Kromach, Dusseldorf. Export divisions Kromach, Beiere, Federal Republic of Germany

(Drei Fabriken in West-Deutschland. WB, K, D. Exportabteilungen in K, B, Bundesrepublik Deutschland)

The world’s first “3-in-1” tape recorder. Battery, electrical and motor car battery operable.

(Der Welterste “3 in 1” Cassetenspieler. Batterie, electrisch und Autobatterie betriebbar.

Standard Model…………….R84.00 (At current exchange rate this is about $12)

De Luxe Model……………R117.00 (At current exchange rate this is about $16)

So my two tape recorders are Loewe Optas.

They were fixed a couple of years ago, but by the time I actually played the tapes, only one worked properly. Probably you would be able to make them play again!

This is all so exciting! Regards Charmaine Schlesinger

Das © dieser Bilder liegt beim Radiomuseum Bocket. The © of these pictures is with Radiomuseum Bocket.

Beitrag aus 2011

Bocket / Bielefeld 01.11.2011

Lieber Herr H. Stellmacher,

Ihrer Bitte bezüglich eines kleineren Berichtes über meine damalige Tätigkeit bei Loewe Opta komme ich gerne nach, weil damit mein Berufsweg begann.

Am 1.Juli 1947 begann ich knapp 17- jährig nach Abschluss meiner Mittelschulausbildung eine Feinmechaniker-Lehre bei der Fa. Opta Radio AG in Berlin Steglitz.Von mehreren Optionen wählte ich diese Firma aus, weil das sehr modern aussehende Fabrikgebäude, das bis auf etliche zerborstene Fensterscheiben kaum Bombenschäden während des 2. Weltkriegs erlitten hatte, mich damals im zerstörten Berlin sehr beeindruckte. So begann im Juli 1947 meine Berufsausbildung im Werkzeugbau dieser Firma. Ich kann mich noch genau daran erinnern, dass der Werkzeugbauleiter Meister Lemke mir ein etwa 12 cm langes und im Querschnitt 3x3cm

aufweisendes Metallstück aus Werkzeugstahl in die Hand drückte und mir sagte," hieraus wirst Du nach Zeichnung einen 100 Gramm-Hammer herstellen". So feilte ich wochenlang an besagtem Metallstück, bis sein Querschnitt etwa 1,5×1,5cm betrug. Als der Hammer fertig und gehärtet war, beherrschte ich das Feilen. Diesen Hammer besitze ich immer noch und halte in hoch in Ehren. Im nächsten halben Jahr -solange dauerte die Grundausbildung im Werkzeugbau- wurde ich mit der Herstellung etlicher Bohrlehren beschäftigt. In diesen wurden Stege oder Platten aus Pertinax eingelegt, damit dann in der Bohrerei Löcher zur Aufnahme von Lötösen gebohrt werden konnten. Ferner musste ich damals Biegevorrichtungen für die Herstellung diverser Winkel herstellen. Nach Ablauf der Grundausbildung kam ich dann in die Radiomontage, den Lautsprecherbau (in den ersten Nachkriegsjahren wurde Lautsprecher -nicht deren Magnete- noch im eigenen Haus hergestellt) und schließlich in die Versuchswerkstatt, wo

ich dann mit Arbeiten am neu entwickelten Optaphon in Berührung kam.

Nach Abschluss meiner Lehre im September 1950 wurde ich in das Radiogeräte-Endprüffeld versetzt, wo ich bei der Endprüfung festgestellte Fehler oder Mängel (hauptsächlich "kalte Lötstellen") aufsuchen und beheben musste. Einige Zeit später wurde ich mit der Prüfung der Gerätetypen Patrizier und Ratsherr beauftragt, in die oben unter einem aufklappbaren Deckel ein Tefifon (Zwischending zwischen Schallplatte und Tonbandgerät) eingebaut war.

Etwa 1952 kam ich in das Tonbandgeräte-Prüffeld, wo ich mit Kontroll-, Prüf- und Einstellarbeiten( Frequenzgang einstellen) beschäftigt wurde. Etwa zu jener Zeit besuchte

der Firmengründer Dr. Siegmund Loewe aus den USA kommend das Werk in Berlin-Steglitz. Eigens für ihn wurde ein Patrizier- oder Ratsherrgerät (ich weiß es nicht mehr genau) gebaut, dessen Gehäuse tiefer war und das auch in der Höhe größer war. Oben war nämlich ein Optaphon eingebaut, so dass Tonbandgerät und Empfänger in einem Gehäuse untergebracht waren. Bei der Übergabe dieses Gerätes an Dr. S. Loewe war auch ich zugegen.

Im Frühjahr 1953 beendete ich mein Arbeitsverhältnis bei Loewe Opta, weil ich ein Studium an der Ingenieurschule Gauss in Berlin aufnahm.Nach dessen Abschluss führte mich mein Berufsweg von der Radiotechnik fort, aber ich denke, ich konnte hiermit vermitteln, dass mich die ersten Berufsjahre bei der Firma Loewe Opta sehr geprägt haben.

Dear Mr. Stellmacher,

I gladly comply with your request for a small account of my activity at the time at Loewe Opta., since my working life started there.

On July 1. 1947 – barely 17 years old and after completing Middle school – I started my apprecticeship as a mechanic (Feinmechaniker) at Loewe Opta AG in Berlin-Steglitz. From several possible choices I selected this company ,

because their very modern looking building – in a during that time destroyed Berlin – really impressed me. Except for a few broken windows it had not suffered any damages from the bombings during WW2.

With this, in July of 1947 I started my vocational training as a toolmaker in that company. To this day I remember very well how Mr. Lemke, the foreman in the toolmaking shop, handed me a 12cm long piece of tool steel with a cross section of 3x3cm and said: "Here, from this you will make – according to drawing – a 100gram hammer." So, for weeks and weeks I filed away at this piece of metal until its cross section was 1.5×1.5cm. When the hammer was finished and hardened, I knew how to file! This hammer I still have today and savour its possession with great pride. In the following 1/2 year – that is how long basic training took – I was assigned the task of manufacturing drilling jigs. They were used in the drilling shop to prepare 'Pertinax' mounting plates for the installation of solder lugs. I also made bending jigs for the manufacture of various angle irons.

After basic training I was transferred to radio assembly, loudspeaker assembly (during the first few years after the war loudspeakers – but not their magnets – were still built in-house) and finally into the research shop. In the latter I was exposed to the newly developed Optaphon.

After completion of my apprenticeship in September 1950 I was transferred to the section that did the final product testing of radios. There my task was to trace and correct troubles that had been found in the end-stage testing. This usually consisted of

eliminating cold-solder joints. Some time later I was tasked with testing the models "Patrizier" and "Ratsherr", which were equipped in the top under a hinged cover with a "Tefifon". This "Tefifon" was a device sort-of halfway between a record- and a tape player. At just about that time the founder of the company, Dr. Siegmund Loewe came from the USA visiting the factory in Berlin-Steglitz. Especially for him we built a "Patrizier" of "Ratsherr" model (I do not remember exactly which) with a deeper and larger case. In its top a Optaphon was installed, which required more space to accommodate both, tape player and radio. At the presentation of this special edition unit to Dr. S.Loewe I was also present.

In the spring of 1953 I terminated my work relationship with Loewe Opta, in order to start studies at the Engineering School Gauss in Berlin.

After completion there, my professional track led me away from radio technology. However, I believe that I can say that my first years at Loewe Opta have very definitely moulded me.

With kind greetings, Werner Kondziela

vielen Dank für Ihre E-Mail vom 01.11.2011. Meinen Kurzbericht über meine Zeit bei Loewe Opta können Sie gerne auf Ihrer geplanten Seite "Neues aus aller Welt" verwenden. Vielleicht erfährt davon jemand, der auch zu jener Zeit in Berlin-Steglitz bei Loewe Opta tätig war, und der sich evtl. noch an mich erinnert. Allerdings wäre dieser "jemand" dann wie ich schon über 80 Jahre alt. Im angefügten Bild sehen Sie mich (links: ein damaliger Kollege) im Prüffeld bei der Fehlersuche an einem Radiosuperhet "Patrizier".

Mit freundlichen Grüßen

Werner Kondziela