Sammeln – Restaurieren

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Sammeln – was und wie ?

Sammeln kann man alles was es gibt, vom Zigarrenband bis zu Briefmarke , aber wir sammeln ja Radiogeräte aller Art.

Der Sammler, (meist männlich, es gibt natürlich auch Frauen, die sammeln oder mit sammeln), hat verschiedene Beweggründe für die Ausübung seines Hobbys. Teils aus technischem Interesse oder als Geldanlage im Gedanken auf Wertsteigerung oder halt nur aus Hobby ein Stück der alten Technik zu bewahren.

Die Palette der zu sammelnden Geräte ist sehr groß. Vom Großsuper , Kofferradio, Musiktruhen , Lautsprecher, Wehrmachtsgeräten bis zu Autoradios oder nur Geräte bestimmter Hersteller. In meinem Falle nur Loewe Opta.

Es gibt natürlich solche und solche Sammler: Die einen mit einer dicken Brieftasche und die andern handeln nach der Devise "aus 3 mach eins" und das geht auch.

Aber das ist ja jedem selbst überlassen, Hauptsache ist, man hat Spaß am Hobby.

Über einige Grundsätze sollte sich aber jeder Sammler im Klaren sein:

1. Versuchen Sie nicht alles zu Sammeln. Es gibt sehr viele Geräte und man weiß nachher nicht mehr, was man hat. An Vorkriegsgeräten gibt es ca. 5000 deutsche Radiomodelle und nach dem Krieg sind es auch nicht viel weniger.

2. Bedenken Sie immer Ihre Platzsituation. Manchmal hat man nur eine kleine Wohnung, in der man halt keinen Platz hat; die Geräte wandern dann in die Garage oder in den Keller, aber da hat man nichts davon. Man verliert den Überblick oder bekommt Krach mit seiner Frau. Gibt es alles.

3. Schätzen Sie Ihre Fähigkeiten bei der Wiederherstellung von Geräten ein. Da man selten oder immer seltener Top Geräte bekommt, brauchen Sie auch viel Platz zum Restaurieren, denn Restaurationsbetriebe sind meist sehr teuer.

4. Entscheiden Sie sich, ob Ihnen Originalität vor Funktionalität geht oder umgekehrt. Auch gibt es solche und solche Sammler: Einige lehnen sogar das sanfte Reinigen eines Gerätes ab und bestehen auf einer unangetasteten Schaltung, auch wenn das Gerät nicht mehr spielt. Andere möchten gerne, dass auch wieder Töne herauskommen wie früher, da muss man halt auch mal eine Röhre oder einen Kondensator erneuern.

Wo bekommt man die alten Schätzchen noch? Finden kann man noch sehr viel, auch heutzutage noch. Schauen Sie einfach mal in die Zeitung oder bei Auktionen wie z.B. bei www.ebay.de, oder geben Sie doch einfach eine Anzeige in der Zeitung auf…

Wenn die ersten Geräte ins Haus kommen, versuchen Sie sofort einen Ordner anzulegen, wo Sie die Geräte aufführen und katalogisieren.

So nun zum Schluss versuchen Sie bei all Ihren Tätigkeiten ein wenig Ihre Frau mit zu begeistern, lassen Sie sie nicht in der Ecke stehen.

In den folgenden Seiten finden Sie einiges zum Thema Restaurieren.


Restaurieren

Nachfolgend einige bewährte Tipps zum Restaurieren alter Radioempfänger. Diese Tipps richten sich in erster Linie an Neueinsteiger. Alte Sammlerfreunde, die schon lange Jahre restaurieren, kennen natürlich diese einfachen Regeln. Aber jeder macht auch eigene Erfahrungen!

1. Grundreinigen

Der einfachste Weg ist immer noch etwas warmes Wasser mit etwas Geschirrspülmittel. Man kann aber auch mit etwas verdünntem Fettlöser arbeiten. Denn die meisten Geräte, die man bekommt, sind beschichtet mit einer Fettschicht, Zigarettenqualm oder sonstigem Belag. Waschen Sie das Radio nicht zu nass ab, es könnte sonst böse Folgen haben.

2. Aufkleber

Oft bekommt man Radios mit Aufklebern, besonders wenn die Geräte in Händen von Jugendlichen waren. Die Verwendung von Lampenöl hat sich hier bewährt. Lampenöl ist ein Ersatz für Petroleum und ein paraffinierter Kohlenwasserstoff. Aufkleberreste lösen sich sofort und bisher wurden auch keine Oberflächen ( weder Holz noch Kunststoff ) angegriffen. Trotzdem immer an einer unauffälligen Stelle ausprobieren. Das Lampenöl verflüchtigt sich restlos und hinterlässt keinen Schmierfilm. Man kann aber auch mit dem heute üblichen Plastikreiniger arbeiten, das klappt auch. Aber da auch vorsichtig vorher ausprobieren!

Kunststoffgehäuse.

Hier hat sich für die Reinigung ein Kunststofftiefenreiniger der Firma Ambratec bewährt. Dieser Reiniger wird in Autowerkstätten zur Reinigung der Plastik – Innenverkleidung von Leasing-Autos eingesetzt. Damit werden alle Ablagerungen (Nikotin, Staub usw.) in den Verkleidungen entfernt. Es gibt ihn auch unter dem Namen Key – clean (in Musik – Geschäften) im Bereich der Musikelektronik. Hier ist er zur Reinigung von Keyboards vorgesehen. Der Geruch und die Eigenschaften sind mit dem Fabrikat der Firma Ambratec identisch. 3. Knöpfe

Die Kunststoffknöpfe werden am besten mit heißem Wasser und normalem Geschirrspülmittel eingeweicht und dann mit einer Zahnbürste gut gereinigt. Die eingelegten Messingteile bearbeitet man mit z.B.. Sidol Bundmetallpolitur, etwas Stahlwolle dreimal 000 – Grad fein beschleunigt die ganze Sache. Sollten Sie einen Ultraschallreiniger haben, dann klappt es auch vorzüglich.

3a. Knöpfe und Tasten

Das Austauschen von Knöpfen sowie von Tasten ist oft mit Problemen verbunden. Sie lassen sich sehr oft nicht lösen! Wenn man bemerkt, dass sie nicht los gehen, sollte man erst mit einem Rostlöser vorarbeiten. So vermeidet man, dass eventuell die Schraube oder Schlimmeres kaputt geht. Bei defekten Drucktasten ist das Ganze einfacher. Man nehme eine kleine Flachzange sowie einen kleinen Hammer, die Flachzange unter der Taste so ansetzen das man sie voll packt und mit leichten Schlägen gegen die Zange schlagen schnell ist die Taste ab, siehe Foto. Danach kann man die neue wieder einkleben .

4. Skalen (Skalenscheiben)

Achtung Glasskalen gehören zu den mit empfindlichsten Teilen am Radio. Die rückseitige Bedruckung ist sehr unterschiedlich in der Qualität und Alterungsbeständigkeit. Es gibt Skalen aus den 30er Jahren, welche ohne Probleme leicht abgewaschen werden können , die Farbe ist fest ins Glas eingebrannt. Weiterhin gibt es Geräte Anfang der 50er Jahre, wo das nicht der Fall ist, diese darf man nicht einmal mit einen Pinsel reinigen , sonst ist die Schrift weg oder verwischt. Andere wiederum reißen oder platzen ab. Man kann die Skalen, wo die Namen nur mit Farbe geschrieben sind, versiegeln und zwar mit einem Klarlack ( Zaponlack ), dieser ist farblos, aber nicht zu dick auftragen. Gebrochene Skalen, die noch vollständig sind, kann man mit einem Scanner einscannen und auf einer Folie ausdrucken, es gibt dafür aber Experten. Es gibt aber auch noch andere Methoden, z.B. auf Fotobasis. (Bei einigen Loewe Opta Geräten der 50er Jahre kann auch ich helfen).

5. Reinigen von Messingteilen

Es gibt viele Möglichkeiten das Material zu bearbeiten. 1. Pressen Sie eine Zitrone aus , geben etwas Salz hinzu und reiben Sie die Flächen mit dieser organischen Säure ab. Alternativ kann man auch einen Esslöffel Essigsäure und einen Teelöffel Salz in einem halben Liter heißem Wasser auflösen. Mit dieser Losung entfernt man die Oberflächenkorrosion. Man kann auch noch etwas Stahlwolle 000 besser ist soogar 0000 zur Hilfe nehmen. Anschließend mit etwas Wasser nachreinigen. Es gibt noch andere Varianten zum Reinigen, z.B.. das oben angesprochene Sidol für Buntmetalle und die RAKSO Stahlwolle 0000. Ich selbst benutze diese Methode. Zum Schluss kann man die Zierleisten usw. mit dem säurefreien Zaponlack (Clou vertreibt ihn in der Sprühdose) versiegeln. Aber Vorsicht: Nicht benutzen im Bereich einer Lackierung des Geräte, denn Zaponlack greift diesen Lack an und das ist nicht der Sinn der Sache. Also Vorsicht.

6. Die französische Politur

Die französische Politur besteht aus Schelllack, welcher in Spiritus gelöst ist. Sie ergibt einen hohen Glanz

und ist häufig bei Vorkriegsgeräten anzutreffen. Es gibt jedoch viele Varianten, von der dunklen oder rotbraunen Politur für die Restaurierung von mahagoni-farbigen Gehäusen bis zur milchig-weißen Politur für helle Holzgehäuse. Die Verarbeitung des Schellacks stellt jedoch hohe Ansprüche an die handwerklichen Fähigkeiten. Das Geheimnis liegt darin, langsam zu arbeiten und mit Hilfe zahlreicher Schichten, zu deren Auftrag man mehrere Tage benötigt, einen hochglänzenden, durchschimmernden Film entstehen zu lassen.

7. Oberflächenlacke

Es wurden im Lauf der Jahre die unterschiedlichsten Oberflächen verwendet. Vom Edelholzfurnieren mit Schelllackpolitur der Vorkriegsgeräte bis zu den Papierfurnieren und Acryllacken der sechziger Jahre.

Die Restaurierung richtet sich also immer nach dem vorhandenen Originalgerät. Für die seidenmatten Oberflächen der Nachkriegsgeräte z.B. eignen sich hervorragend die Wachslacke,

welche in vielen Holzfarben angeboten werden und die auch für den richtigen Farbton untereinander mischbar sind. Die alte Oberfläche wird vorsichtig abgeschliffen und der Farbton mit einer Holzbeize wiederhergestellt. Anschließend kann das Gehäuse mit einem feinen Pinsel mit Wachslack gestrichen werden. Wenn man die Farbe sehr gut verstreicht, ist nach der Trocknung nicht zu erkennen, dass mit dem Pinsel gearbeitet wurde. Es empfiehlt sich den Wachslack in einem helleren Farbton als die gewählte Beize zu verwenden. Die Kombination von einer Beize -Eiche mittel – mit dem Wachslack – kiefernblond – ergibt z.B. einen hervorragenden Farbton. Am Schluss kann man das Gehäuse noch mit einem Antikwachs polieren. Auf jeden Fall sollte man jede einzelne Schicht gut durchtrocknen lassen bevor die neue Schicht aufgetragen wird.

Auch für Hochglanzoberflächen von jüngeren Geräten gibt es kein Patentrezept. Ist der Lack, welcher meist sehr hart und spröde ist, sehr stark gesplittert und flächig abgeplatzt, hilft nur ein völliges Herunterschleifen. Hier ist große Vorsicht angebracht, da zum Teil die Unterschicht sehr empfindlich bzw. sehr dünn ist. Danach kann man das Gehäuse komplett mit einem Acryllack aus der Spraydose neu lackieren. Es bedarf jedoch eines staubfreien Raumes und auch einiger Erfahrung mit dieser Technik. Eventuell findet man auch einen Profi, welcher einem diese hochglänzende Oberfläche wieder herstellt.

8. Pressstoffgehäuse

Die dunklen Pressstoffe lassen sich mit einer handelsüblichen Autopolitur wieder aufpolieren.

Für strukturierte Teile kann man am besten mit einer Zahnbürste in den Zwischenräumen arbeiten. Das Gerät muss anschließend mehrfach mit einem weichen Tuch poliert werden um den feinen, hellen Film wieder herunter zu bekommen.

9. Lautsprecherstoff

Hier finden wir eine große Bandbreite des Zustandes. Sie reicht von völlig zerschlissen bis zu brauchbar.

Entsprechend gibt es mehrere Möglichkeiten der Restauration. Manche Stoffe sind recht robust gewebt und brauchen nur entstaubt zu werden. Hier hilft leichtes Abbürsten mit einem weichen Pinsel. Man kann auch den Stoff vorsichtig ablösen und ganz leicht waschen. Dies hängt aber immer vom Zustand des Stoffes ab. Manche Stoffe sind so stark zerschlissen, dass sie ersetzt werden müssen. Das ist oft schwierig, da die Stoffe speziell für die Radioindustrie gewebt wurden und heute auch im guten Stoffgeschäft nicht zu bekommen sind in einer ähnlichen Ausführung. Hier hilft nur suchen und solange lieber den alten Stoff im Gerät lassen. Manche Sammler haben auch Geräte zum Ausschlachten. Vielleicht findet man ein Gerät, bei welchem wenigstens der Stoff noch besser ist. Neuere Stoffe mit hässlichen Wasserflecken kann man problemlos waschen, wenn man sie auf eine andere Unterlage näht oder in einen Rahmen aufspannt. Fragen Sie mal Ihre Frau danach! Ein Tipp von mir: Besorgen Sie sich in einem Teppich-Reinigungsbetrieb Reiniger, der auf Naturbasis hergestellt ist. Bauen Sie die Schallwand aus, entfernen den Lautspreche,r dann den Stoff gut einsprühen, ca. 5 Minuten einwirken lassen, dann mit einem weichen Schwamm leicht einmassieren und in der Dusche ausspülen. Hier Achtung! Nicht zu nass machen! Dann einpacken in ein altes Badetuch und trocknen lassen. Sie werden staunen.

9 a. Erneuern von Schallwandstoffen

Das erneuern von defekten Schallwandstoffen ist oft sehr schwierig. Es sei denn man hat Bekannte oder Freunde, die eventuell noch aus einem alten Gerät einen Stoff haben, ansonsten sieht es schlecht aus mit neuer Bespannung. Etwas an Loewe Stoffen habe ich noch in meinem Besitz, der ist allerdings nur für kleinere Geräte denn er ist nur 17 und 19 cm breit. ( Dieser ist nicht zum Verkauf gedacht ). Nun ein Tipp von mir: Bei älteren Geräten die einen einfarbigen Stoff haben, z.B.. Ende der 30er und Anfang der 50er Jahre – fragen Sie Ihre Frau einmal nach Stramin das ist ein Gewebe zum Sticken, das gibt es in grob und in fein, auch in div. Farben. Kaufen Sie sich probeweise mal ein Stück, so können Sie es aber nicht verarbeiten, denn es ist zu steif und auch noch zu großporig. Waschen Sie das Stück; danach, wenn es noch feucht ist, gut bügeln, und Sie haben einen neuen Schallwandstoff.

10. Ponal

Synthetische Holzkaltleime wie z.B. Ponal sind äußerst beliebt zur Reparatur von Holzgehäusen. Sie sind einfach zu verarbeiten und trocknen relativ schnell und klar. Restauratoren haben jedoch gerade für sehr wertvolle alte Geräte Bedenken. Es gibt keine Langzeiterfahrung mit diesen neuen Leimen. Sie sind später nicht wieder lösbar und können eine spätere Restaurierung erheblich erschweren. Bei wertvollen Geräten sollte man daher lieber auf die traditionellen Tischler- bzw. Perlleime zurückgreifen. Ponal verarbeitet sich speziell für dünne Risse oder unter leicht abgehobenem Furnier besser, in dem man ihn verdünnt. Ein paar Tropfen Wasser und ein Tropfen Geschirrspülmittel setzen die Oberflächenspannung stark herab und die dünne Flüssigkeit lässt sich mit einer feinen Spritze auch in die feinsten Ritzen spritzen.

11. Holzwürmer (siehe auch)

Der Holzwurm gehört zu den gefürchtetsten Holzschädlingen. Er kommt häufig bei Geräten vor, welche längere Zeit auf Böden oder in Schuppen gestanden haben. Meist erfolgt der Befall zuerst an der Unterseite, welche direkten Bodenkontakt hatte. Auf jeden Fall muss der Holzwurm völlig vernichtet werden. Frische Fluglöcher sind immer sauber und hell. Alte Fluglöcher sind dunkel bis schwarz. Chemische Bekämpfungsmittel gibt es in jedem Heimwerkermarkt. Die Flüssigkeit wird entweder in jedes Loch eingespritzt oder auch direkt auf das blanke Holz aufgetragen. Dann in eine große Plastiktüte und ca. 14 Tage verschlossen lagern, dann ist die Wirkung größer. Die behandelten Fluglöcher werden mit einer handelsüblichen Wachsstange versiegelt.

12. Filzfüße

Aus Platzgründen müssen viele Sammler ihre Geräte „Stapeln". Beugen Sie Kratzern und Schrammen vor, indem Sie bei jedem Gerät selbstklebende Filzscheiben unterkleben. Gerade bei älteren Geräten sind die original Filzscheiben entweder herhausgefallen oder völlig verhärtet. Manche Nachkriegsgeräte haben keine Filzscheiben. Dort sind oft Hartplaste – Scheiben anzutreffen. Im Baumarkt finden Sie alle Größen und Farben dieser kleinen nützlichen Helfer.

13. Kratzer

Abhängig von der Tiefe eines Kratzers gibt es mehrere Möglichkeiten zu ihrer Beseitigung.

Feine Haarrisse können mit einem Möbelpflegemittel wegpoliert werden. Aber nicht zu stark polieren, sonst bekommt man einen hellen Fleck, welcher meist mehr auffällt als der ursprüngliche Riss. Tiefere Kratzer füllt man mit einer Wachsreparaturstange aus. Ebenso wie flüssige Wachsretuschen kann man diese in Heimwerkermärkten in vielen verschiedenen Holzfarben erhalten. Anschließend kann man dünn Wachs oder Schellack auf die behandelte Stelle auftragen. Größere Kratzer bekommt man häufig nicht völlig weg, man kann aber ihr Erscheinungsbild sehr mildern.

14. Dellen

Kleinere Dellen bei unlackierten Oberflächen lassen sich ausbessern durch Aufquellen der darunter liegenden Holzfasern. Mit einem feinen Pinsel wird heißes Wasser in die Delle getropft, bis es völlig aufgesogen ist. Reicht das nicht aus um die Delle wieder anzuheben, kann man es auch mit Dämpfen versuchen. Hier wird über die Delle ein feuchtes Tuch gelegt und die heiße Spitze eines Elektro-Lötkolbens in das Tuch gesteckt. Der sich bildende Dampf bringt die darunter liegenden Holzfasern zum Quellen. Anschließend wird diese Stelle leicht mit einem ganz feinen Sandpapier Überschliffen. Bei furnierten Oberflächen wird ebenso verfahren. Allerdings darf nur mit ganz wenig Feuchtigkeit aufgequollen werden. 15. Blasen

Kleine oder große Blasen bei Furnieren gehören zu den unangenehmen, aber reparablen Schäden.

Hat die Blase bereits einen Riss, ist der darunter liegende Hohlraum meist verschmutzt. Hier muss zuerst mit einem Skalpell das Innere der Blase ausgeschabt werden. Anschließend wird etwas Holzleim in die Blase eingepinselt. Auf die Blase kommt dann ein feuchtes Tuch und dieses wird mit einem Bügeleisen erwärmt. Sobald das Furnier und der Leim beginnen zu erweichen, wird die Blase flachgedrückt. Anschließend wird das Tuch entfernt, das Bügeleisen ausgestellt und unter etwas Druck lässt man die Stelle erkalten.

16. Rückwände siehe auch

Wenn das Gerät die letzten Jahrzehnte nicht absolut trocken gestanden hat, ist meist die Rückwand mehr oder weniger verzogen. Da die Rückwände jedoch aus Pappe bestehen, bekommt man sie auch wieder völlig eben. Nehmen Sie zwei alte Möbeltüren ( ca. 30 x50 cm ), am besten mit einem harten Lack beschichtet. Massivholz ist nicht geeignet, besser sind lackierte Pressspanplatten. Zur Vorsicht kann die Oberfläche auch noch mit Antikwachs versiegelt werden. Die Rückwand wird mit einem Schwamm auf beiden Seiten befeuchtet. Sie wird dann zwischen die beiden Türen mit mehreren Schraubzwingen fest eingespannt und für mehrere Wochen beiseite gelegt. Durch die Versiegelung der Oberfläche kann das verdunstende Wasser nicht in die Türen einziehen und diese deformieren. Das Wasser muss nun langsam an die Luft abgegeben werden und nach entsprechender Zeit ist die Rückwand wieder völlig glatt. Mit einer Wachspolitur versehen sieht sie oft wieder aus wie neu.

17. Nützliche Hilfsmittel

Neben den allgemeinen Heimwerker-Werkzeugen wie Schraubenzieher, Zangen, Hämmer, Feilen, Ziehklingen u.a. sollte man sich einige spezielle Werkzeuge und Hilfsmittel beschaffen.1 kleiner Kompressor (für die Staubreinigung der Geräte ist das Ausblasen effektiver als das Aussaugen mit dem Staubsauger), außerdem kann damit auch eine Spritzpistole betrieben werden. Stahlwolle 000 oder 0000, Schleifleinen der Körnung 400 und 600er Schleifschwämme mit feiner Körnung, sie eignen sich besonders für Rundungen. Kleine und größere Spannzwingen hierbei eine Spannzwinge mit einer Spannweite bis zu 80 cm. Sammeln Sie die alten Zahnbürsten in Ihrer Familie. Kleine Einweg-Spritzen zum Einspritzen von Leim in kleine Spalten oder Blasen. Beim aufmerksamen Gang durch die Baumärkte wird man eine Vielzahl von Beizen, Lacken und Holztinkturen finden. Wir sind letztendlich bei den Produkten der Firma Clou geblieben. Hier findet man ein komplettes Sortiment, welches aufeinander abgestimmt und auch miteinander zu mischen ist.


Tipps unserer Leser:

Herbert Drewing: Holzwürmer kann man auch mit Essig Essenz loswerden. Einfach auf die befallenen Stellen „gießen“ und dann kann man ebenso verfahren, wie beschrieben (Plane drüber).

Alle hier vorgeschlagenen Tipps wurden von uns selbst ausprobiert oder angewendet. Wir können jedoch keine Haftung für etwaige Schäden übernehmen!

Restaurieren 2

Wiederherstellung von Polyesterlackoberflächen.

Dieser Artikel befasst sich mit der Wiederherstellung von Lackschäden bei Radiogeräten mit Polyesterlackoberflächen, die ab 1959 verwendet wurden.

Die Oberflächen unserer Rundfunkgehäuse wurden bis zum Frühjahr 1959 ausschließlich mit Nitrolacken hergestellt.

Bei der Verarbeitung dieses Lackes müssen, um das Einfallen der Poren zu verhindern, mindestens 24 Stunden Trockenzeit eingehalten werden. Um diese Störung im Arbeitsablauf zu beheben, versuchte man durch Trockenkammern oder Trockenkanäle den Arbeitsfluss günstiger zu gestalten; jedoch sind die erzielten Resultate nach den heutigen Ansprüchen nicht mehr befriedigend ( das war 1959 ).

Dies um so mehr, als seit einigen Jahren von den Lackfabriken Polyester für die Oberflächenveredlung empfohlen wird.

Seine Vorzüge gegenüber dem Nitrolack sind folgende:

Eine optimal glasklarer Glanz der Oberfläche, Unempfindlichkeit gegen Kratzer, verdünnte Säuren und alkoholhaltigen Flüssigkeiten. Außerdem wird der Arbeitsfluss im Betrieb durch die schnelle Trockenzeit des Polyesters erheblich günstiger. Mit der Einführung des Polyesterlackes war neben einigen Änderungen der Fabrikeinrichtung auch eine Umschulung des Personals nötig. Alle, vom Spritzer bis zum Endpolierer, mussten umlernen, und es ist auch an der Zeit, dass die Polierer des Handels sich mit dem Material vertraut machen, da die Geräte und Truhen mit Polyesteroberfläche in ständig größerer Zahl auf dem Markt erscheinen. Sie müssen mit dem Material so vertraut sein, dass sie kleine, auf dem Transport entstandene Schäden an Ort und Stelle beseitigen können.

Ende des Vorworts, nun geht´s an die Arbeit.

Leichte Kratzer werden mit Schleifpapier, möglichst 600er Körnung, aus geschliffen und anschließend mit einer kleinen Schwabbelmaschine blank geschwabbelt. Geschwabbelt wird mit einer Schleifpaste, wobei zu beachten ist, dass mit einer fettigen, griffigen Paste vor geschliffen und zum Schluss mit einer trockenen Paste nach geschwabbelt wird. Grobe Schäden sind etwas schwieriger zu beseitigen, jedoch lässt sich grundsätzlich jeder Lackfehler an Truhen oder Gehäusen ausbessern. Wir haben zum besseren Verständnis nachfolgend mehrere Aufnahmen hergestellt, welche die einzelnen Operationen der Beseitigung eines groben Fehlers zeigen.


Ein Gehäuse ist auf eine Kante gefallen und die Lackschicht wurde stark beschädigt. Mit einem scharfen Messer wird die Lackschicht, soweit sie sich durch den Schlag gelöst hat, ausgeschnitten. Die Größe des Fehlers ist an der hellen Verfärbung des Lackes an der Schadensstelle – ähnlich einer darunter befindlichen Luftblase – zu erkennen.

Hier wird dargestellt, wie die Schnittkante und umliegende Stelle der Lackfläche mit Schleifpapier 500er Körnung matt geschliffen wird; dies muss sehr gewissenhaft durchgeführt werden, um alle Fettreste der Oberfläche zu beseitigen, da eine gute Haftung des Lackes nur bei sauberer Fläche gewährleistet ist.


Es wird angenommen, dass beim Schleifen die Tönung des Holzes angeschliffen wurde, also helle Stellen entstanden sind. Diese lassen sich mit etwas Phantasie mit normaler Tusche ( oder Beizen ), wie sie jeder Tischler kennt, nach tuschen ( oder nachbeizen ). Mit einem Tuschpinsel lässt sich die schönste Maserung vortäuschen.

Nachdem die getuschte ( oder gebeizte ) Schadstelle abgetrocknet ist, denn auch Feuchtigkeit ist für eine gute Haftung nachteilig, wird ein wenig des Lackes gemischt. Der damals benutzte Polyesterlack wurde im Verhältnis 10 : 1 angesetzt. Das heißt zehn Gewichtsteile Lack mit einem Gewichtsteil Härter gut verrührt. ( Möglichst Porzellan oder Kunststoffgefäße benutzen ). Ist der Lack so ein gerührt, so ist Eile geboten, denn schon nach 15 Minuten beginnt er zu erstarren. Der Fachmann sagt, der Lack hat eine Tropfzeit von 15 Minuten. Der Lack wird, wie Bild 4 zeigt, ziemlich reichlich mit einem Pinsel aufgetragen. Das Gerät ist so zu legen, dass die Schadstelle oben liegt ( waagerecht ), damit der Lack gut verläuft. Pinsel und Gefäße sofort nach Gebrauch mit Verdünnung auswaschen, da sie sonst nicht mehr zu gebrauchen sind.

Nach ca. 4 Stunden ist der aufgetragene Lack erhärtet und kann weiterverarbeitet werden. Mit einer Vorfeile ( nicht zu grob, siehe Bild) wird der zu viel aufgetragene Lack an der Schadensstelle glattgefeilt. Ein gerades Abfeilen ist wichtig, denn mit Schleifpapier und Schleifklotz würde bei dieser Operation unweigerlich die umliegenden Flächen erneut durchgeschliffen, was durch die Feile vermieden wird. Bitte beachten Sie Bild 5 genau. Die Person feilt von der zu schleifenden großen Fläche nach außen. Sie benutzt auch den Zeigefinger rechte Hand als Stütze, damit die Feile die Fläche nicht erneut beschädigt oder angekratzt.

Zeigt die weitere Verarbeitung der Schadstelle. Das Bild zeigt das anschließende Verschleifen der Schadstelle mit der Fläche. Es ist mit 400er Schleifpapier und Klotz vor – , jedoch mit 500er Körnung nachzuschleifen. Etwas Übung und Vorsicht bei dieser Operation lassen den Fehler im Lack vollständig verschwinden. Auf dem Bild ist noch gut die Lacknaht zu sehen (siehe Schleifklotz – Daumen dunkle Stelle). Links, zur unteren Kante des Gehäuses hin, ist die Lacknaht jedoch bereits mit der Fläche verlaufen, sodass sie nicht mehr erkennbar ist.

Nachdem wie auf Bild 6 die Lacknaht verschliefen ist, gehen wir über in den letzten Arbeitsgang, das Schwabbeln oder Polieren. Für diesen Zweck wurde bei der Firma Loewe Opta 1959 eine Schleifmaschine Type FLEX DL 14 des Herstellers Ackermann & Schmidt KG, Stuttgart, mit der dazugehörigen Schwabbelscheibe benutzt. Die Schwabbelscheibe ist mit Schwabbelwachs zu bestreichen, d.h. gegen die laufende Scheibe das Wachs halten, dann benetzt sich durch die Reibung die Unterkante der Scheibe. Nun, wie im Bild 7 dargestellt, schwabbeln. Ein reichlicher Druck ist hierbei notwendig, die Lackfläche darf sich leicht erwärmen. In kurzer Zeit wird zur Freude des Ausführenden von dem Schaden nichts mehr zu sehen sein. Das Schwabbelwachs wird anschließend mit einem auch heute im Jahre 2001 im Handel erhältlichem Poliermittel gereinigt und entfettet, und fertig ist das Gerät und wieder wie neu.

Ich hoffe, dass Ihnen dieser Artikel aus dem Jahre 1959 aus dem Loewe Opta – Kurier geschrieben von A. Franz gefällt und Ihnen hilft bei der Wiederherstellung beschädigter Gehäuse oder auch anderer Teile, die mit Polyesterlacken hergestellt wurden. Denn diese Methode ist auch heute noch anwendbar.

Restaurieren 3

Entfernen alter Farbschichten an alten Radios Da die Furnierstärke bei Radios nur sehr dünn (O,5mm) ist, sollte das Abschleifen tunlichst unterbleiben, da das Furnier sonst sehr schnell durchgeschliffen werden kann, insbesondere an Rundungen und im Kantenbereich. Der dadurch entstandene Schaden, lässt sich nur mit sehr viel Sorgfalt und handwerklichen Können beheben. Es gibt zwei schonende, sichere Methoden.

1. Abbeißen, wer sich die Sauerei antun mag, mit befriedigendem Ergebnis. Gut mit Nitroverdünnung nach waschen um Reste von Farbe und Abbeizpaste aus den Poren zu waschen.

2. Die zu bevorzugende und schnellste Möglichkeit: Abziehen mit einer Ziehklinge. Man besorge sich eine Ziehklinge, rechteckig 0,8mm stark und eine Ziehklinge in Schwanenhalsform 0,7mm stark sowie einen Ziehklingen stahl zum nach schärfen.

Die Ziehklinge mit beiden Händen anfassen und ein wenig biegen. Damit kann man nun den Lack abziehen, wenn man die Ziehklinge auf sich zu bewegt. Teilweise ist mehr, oder weniger Druck notwendig. Wer dicke Schichten abziehen will, kann mit der Schwanenhalsklinge schneller zum Ziel kommen, da die Kraft hier auf eine ca. 5mm breite Fläche zu liegen kommt und somit mehr Druck auf die Fläche ausübt. Nacharbeiten dann mit der rechteckigen Klinge. Nur so lange ziehen bis der Lack abgezogen ist. Verunreinigungen und Schattierungen im Furnier, dann mit 240er Schleifpapier nacharbeiten.

Nach abstauben kann nun vorsichtig mit einem feuchten Schwamm das Furnier angefeuchtet werden. Nach guter Trocknung haben sich die Holzfasern aufgerichtet und lassen sich mit 240 Schleifpapier ohne Druck auszuüben, nach schleifen. Es empfiehlt sich das Furnier im geeigneten Ton zu beizen, entweder mit wasserlöslicher, oder lösemittelgelöster Holzbeize.

Somit hat alles einen einheitlichen Farbton erhalten. Die meisten Röhrenradios mit Holzgehäuse sind mit Nitrozelluloselack lackiert worden. Dieser Lack lässt sich sehr einfach und schnell, NUR im Spritzverfahren verarbeiten. Entweder Seidenmatt, Hochglänzend, oder wie damals üblich als Schwabbellack, mit Glas artig glänzender Oberfläche. Wer mit Pinsel arbeiten will, sollte einen Alcydharzlack wählen. Ungeübten sei noch eine Holzlasur, lösemittelhaltig!, empfohlen. Sie ist meist seiden glänzend und sehr leicht zu verarbeiten, ohne Pinselstriemen zu hinterlassen, wie es bei Lack passieren kann, wenn man nicht gerade vom Fach ist.

Hoffe diese Infos helfen Ihnen etwas beim restaurieren eines alten Radios

Viel Erfolg bei Ihrer Arbeit.

Danke an Heiner Schiche Restaurator aus Hamburg für die Mithilfe.