Wandel u. Goltermann

Aus Radiomuseum-bocket.de
Wechseln zu: Navigation, Suche

Geschichte der Firma Wandel & Goltermann

Diese Beitrag/Seite entstanden mit freundlicher Genehmigung der Foundation Wandel & Goltermann.

Wie alles begann Am 29. November 1923 erwarben Wolfram Wandel und Ulrich Goltermann eine Radiolizenz. Da sie beide zu diesem Zeitpunkt noch nicht voll geschäftsfähig waren, unterschrieb Ulrichs Mutter die Gründungsurkunde. Die beachtliche Summe von 500 Reichsmark für die Lizenz zum Bau und Verkauf von Radiogeräten liehen sie sich von Freunden und Verwandten. Wolfram Wandel (geb. 20.11.1903, Bild oben links) studierte zu dieser Zeit schon an der Technischen Hochschule in Stuttgart, Ulrich Goltermann (geb. 17.1.1905, Bild oben rechts) ging noch zur Schule.

Die Freundschaft zwischen den beiden Firmengründern entstand aus der gemeinsamen Leidenschaft für elektronische Experimente. Im gut eingerichteten Laboratorium des Vaters von Wolfram Wandel machten die beiden ihre ersten Versuche mit einfachsten selbst gebastelten Spulen, Widerständen und Akkus. Ihr Ziel war der Bau eines Empfängers für Funkmorsezeichen, denn Rundfunk gab es zu dieser Zeit in Deutschland noch nicht. Als erster großer Erfolg gelang ihnen dann 1922 in einer Samstag Nacht der Empfang des Versuchsradiosenders aus Eberswalde. Groß war der Jubel, als sie eine leise Frauenstimme hörten, die Solveigs Lied von Edvard Grieg sang.

Wolfram Wandel in seinem Laboratorium.

Erster „Laden“ und Werkstatt

Die ersten „Geschäftsräume“ befanden sich im Wohnhaus der Familie Goltermann in der Gartenstraße Nr. 9 in Reutlingen. Wolfram und Ulrich benutzten ein Zimmer und den Kohlenkeller als Werkstatt. Während sie beide an der Technischen Hochschule in Stuttgart studierten, bauten sie eigene Rundfunkanlagen, richteten diese bei ihren Kunden ein und übernahmen auch die Wartung. Noch waren die Geräte batteriebetrieben und mit trichterförmigen Lautsprechern ausgestattet. Durch Vorträge und Abendveranstaltungen machten Wolfram Wandel und Ulrich Goltermann den Rundfunk bekannt. Sie führten ihre Geräte vor, ließen ihre Zuhörer den 1924 neu eingerichteten Stuttgarter Mittelwellensender hören und wurden dabei sogar von der Sendeleitung persönlich begrüßt, so klein war die damalige „Radiogemeinde“. Im September 1926 wurde der Berliner Funkturm eingeweiht und schon 1929 gab es in Deutschland zwei Millionen Rundfunkteilnehmer!

Der Lautsprecherwagen der Firma.

Der erste Großauftrag

Einen großen Entwicklungsschritt machte die junge Firma Wandel & Goltermann mit dem Auftrag, im Reutlinger Kreiskrankenhaus eine zentrale Rundfunkempfangsanlage einzurichten. Sie war die erste Anlage dieser Größenordnung in Deutschland. Bald darauf installierten die beiden Firmengründer im Reutlinger Rathaus eine automatische Telefonanlage. Der damit verbundene Wartungsauftrag bildete die Grundlage für die sich im Laufe der Jahre daraus entwickelnde Fernsprechabteilung. 1928 wurde der erste Mitarbeiter eingestellt, Max Wagner, der spätere Chef dieser Abteilung. Nachdem die Firma seit 1929 in der Wilhelmstraße untergebracht war, erfolgte 1932 der Umzug in ein Ladengeschäft im Haus Nr. 4 am Karlsplatz. Das Sortiment umfasste inzwischen Rundfunkempfänger, Plattenspieler, Schallplatten, aber auch Kühlschränke. Die Firma genoss zu dieser Zeit schon einen guten Ruf, denn die „Chefs“ erledigten nach Möglichkeit die Installation- und Wartungsarbeiten selbst.

Rundfunkempfangsanlage im Kreiskrankenhaus Reutlingen.

Erfolgreiche Entwicklung

In den 30er Jahren wurden Rundfunk- und Verstärkeranlagen immer beliebter. Wandel & Goltermann baute zunehmend Großanlagen für öffentliche Institutionen. Automatische Fernsprechanlagen, die zu dieser Zeit aufkamen, machten das aufwändige Stöpseln zum Verbinden der Leitungen überflüssig. Unter den Kunden der Firma fanden sich nun auch Großunternehmen aus der Industrie. Nachdem verschiedene Tübinger Kliniken von Wandel & Goltermann mit zentralen Rundfunkanlagen ausgestattet worden waren, erhielt die Firma auch den Auftrag, im Neubau der Chirurgischen Klinik eine automatische Rundfunk-, Personensuch- und Schwesternrufanlage einzurichten.

Das Ladengeschäft am Karlsplatz 4, bezogen 1935.

Kriegsjahre

Die Produktion von Rundfunkgeräten wurde verboten und die meisten Monteure zur Wehrmacht eingezogen. Nur die Fachleute für Fernsprechanlagen konnten „unabkömmlich“ gestellt werden. So sicherte die Fernsprechabteilung das weitere Bestehen der Firma. 1943 baute Wolfram Wandel in der Metzgerstraße 36 die Fertigung von Fernmesssendern auf, die Messdaten aus Raketen übermitteln konnten. In den letzten Kriegsjahren wurden vor allem Telemetriesender für Raketenversuche und Warnanlagen für den Bevölkerungsschutz hergestellt. Durch die Fertigung von kriegswichtigem Gerät wurde Wandel & Goltermann zu einem wichtigen Produktionsbetrieb und Ulrich Goltermann konnte 1945 frühzeitig nach Reutlingen zurückbeordert werden.

Das Gebäude Metzgerstraße 36, in dem die Fernmessabteilung untergebracht war.

Die Werkstatt- und Büroräume am Karlsplatz.

Neubeginn

Nach dem Zweiten Weltkrieg musste die Firma praktisch neu aufgebaut werden. Nach und nach fanden sich die früheren Mitarbeiter wieder ein. Auch aus dem Institut für Nachrichtentechnik der TH Stuttgart, das vom ausgebombten Stuttgart nach Eningen verlegt worden war, kamen qualifizierte Fachleute. In der Anfangszeit beschränkte man sich auf die Reparatur von Radiogeräten. Aber die Beschaffung von Ersatzteilen erwies sich als sehr schwierig und war nur über den Tauschhandel möglich. Radiogeräte waren allerdings – auch bei den französischen Besatzern – ein begehrtes Objekt in der damaligen Zeit. Da die Rundfunkindustrie größtenteils zerstört war und neu aufgebaut werden musste, bestand keine Aussicht auf eine schnelle Versorgung des Marktes mit neuen Geräten. Wanden & Goltermann begegnete diesem Engpass zuerst durch die Reparatur alter Geräte, später durch Entwicklung und Produktion eigener Radios. Mit großem Eifer machten sich Wolfram Wandel, Ulrich Goltermann und Dr. Sommer vom Institut für Nachrichtentechnik daran, Radios mit besonders guter Tonqualität zu entwickeln. Das erste solche Gerät war der so genannte „Tonkünstler“, ein Überlagerungsempfänger mit fünf Röhren. Als zweites, kleineres Heimradio präsentierte die Firma den „Musikant“.

Werbeanzeige für den Musikant.

Entscheidung für Messtechnik

In den ersten Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg fiel auch die Entscheidung hinsichtlich der perspektivischen Ausrichtung der Firma. Man strebte nicht die Massenfertigung von Radiogeräten an, sondern wollte die Messtechnik zum Hauptarbeitsgebiet von Wandel & Goltermann machen. Bereits im Frühjahr 1948 wurde mit der Entwicklung eines Messsenders für den Tonfrequenzbereich begonnen. Parallel dazu entstand das Klirrfaktormessgerät KLM-0, das zur Prüfung der Signalqualität des Generators benötigt wurde, aber auch als eigenständiges Messgerät auf den Markt kam. Als weitere Produkte folgten Pegelmessgeräte, die zum Aufbau des im Krieg zerstörten Fernsprechnetzes jetzt dringend benötigt wurden.

Messgenerator KMG-1 (1948).

25-jähriges Jubiläum

Zum 25-jährigen Bestehen von Wandel & Goltermann wurde 1948 ein Fest mit vielen Ehrengästen gefeiert. Eine Ausstellung in den Werksräumen zeigte die bisher entwickelten Produkte erstmals einem größeren Personenkreis. Mit der Währungsreform 1948 besserte sich die Situation, die Wirtschaft kam wieder in Gang und das Material musste nicht mehr auf dem Tauschweg beschafft werden. Zu dieser Zeit beschäftigte der Betrieb schon 75 Mitarbeiter und war zu einem namhaften Elektrounternehmen in Westdeutschland herangewachsen.

Eine fröhliche Jubiläumsfeier in Rübgarten.

Erste Hannover Messe

Die erste Hannover Industriemesse fand im Frühjahr 1948 statt. Bereits ein Jahr später präsentierte dort Wandel & Goltermann die beiden Bereiche Rundfunk- und Messtechnik. Neben den neuen Messgeräten stellte die Firma den Tonkünstler und das neu entwickelte Autoradio FW-26 aus. Aus diesem ersten Autoradio entstand eine ganze Produktlinie, u. a. auch eine große Anlage mit dem Markennamen „Gamma“ für Omnibusse mit Mikrophonanschluss für Ansagen,. Die Einnahmen aus der Rundfunkwerkstatt, der Fernsprechabteilung sowie das Geschäft mit Heim- und Autoradios finanzierten die aufwendige Entwicklung der Messgeräte. 1953 wurde der Platz in den Reutlinger Werkstätten knapp und es wurden erste Überlegungen zum Bau eines eigenen Firmengebäudes angestellt. Die Stadt Reutlingen zeigte wenig Interesse an der neuen Branche, daher errichtete die junge Firma ein neues Firmenareal in Eningen.

Stand auf der Hannovermesse 1949.

Hilde Goltermann führt die „Zikade“ vor.

Eninger Werk

Schon im Sommer 1954 konnten die Werkshalle und das neue Verwaltungsgebäude in Eningen eingeweiht werden. Nur ein Jahr später kam eine zweite Werkshalle hinzu, denn erneut bestand Platzbedarf. Die Produktpalette im Bereich Messgeräte erweiterte sich rasant, 1954 konnten schon 50 größere Geräte für alle wichtigen Messaufgaben der Fernsprech- und Nachrichtenübertragungstechnik angeboten werden. Ab Mitte der 50er Jahre wurde ein weltweites Vertriebsnetz aufgebaut. Die ersten Vertretungen entstanden in der Schweiz, in Italien, Großbritannien, in den Niederlanden, Norwegen und Schweden.

Die glücklichen Firmengründer Wolfram Wandel und Ulrich Goltermann.

Das neue Werk in Eningen 1954.

Hier möchte ich die Einträge beenden, und mich nochmals für die Freigabe der Daten bedanken.

Bitte achten Sie auf das © der Bilder und Daten denn diese wurden dem Radiomuseum – Bocket von der Foundation Wandel & Goltermann zur Verfügung gestellt.

Aber es gibt noch mehr Wissen zur Firma Wandel & Goltermann, deswegen schaut doch einfach mal auf die folgenden Seite:

Wandel & Goltermann

Diese Beitrag/Seite entstand mit freundlicher Genehmigung der Foundation Wandel & Goltermann.