Reparatur einer AM/FM-Skalenkupplung (NordMende)

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Reparatur der Wellenbereich-Klemmkupplung bei den NordMende Geräten Carmen, Fidelio, Caruso usw. ab der Baureihe 56

1. Einleitung

NordMende hat in den 50er Jahren unterschiedliche Kupplungsverfahren angewandt. Unterschiede bestehen zwischen den Standardversionen Carmen 56, Fidelio 56, Caruso 56 und den Spitzengeräten ab Othello 57, Tannhäuser 57/59 sowie den früheren Typen der 55er Reihe (Carmen, Othello 55 u.a).

Erstere verwenden als Mitnehmer eine Hartgummischeibe, die Spitzengeräte gezahnte Kunststoff- bzw. Zinkspritzgussscheiben mit außenliegender (beidseitiger) Verzahnung und die älteren Typen der 55er-Reihe 90-Grad-Kegelzahnräder mit einem Mitnehmerbolzen.

Bild 1a: Gezahnte Kegelrad-Mitnehmer beim Othello 55, Carmen 55 usw.

Bild 1b: Gezahnte Stirnseiten-Mitnehmerscheibe in einem Tannhäuser 59

Die Reparaturanleitung bezieht sich in erster Linie auf die Version mit Hartgummischeibe als Kupplungselement beim Carmen 56.

Bild 1c: Gummischeibe als Kupplungselement im Carmen 56

Die Reparatur gelingt nur mit Spezialwerkzeug, weshalb der Beitrag mit der Beschreibung der unbedingt erforderlichen Werkzeuge beginnt.

2. Benötigtes Werkzeug

2.1 Greifer für Ringsicherungsscheiben nach DIN 6799 (Seegerringe)

Damit wird die Sicherung am Ende der Antriebswelle in die dafür vorgesehene Führungsnut eingespannt.

Bild 2: Einsetzwerkzeug ("Greifer") für Sicherungsscheiben (DIN 6799)

Bild 3: Radial federnde Sicherungsscheiben (DIN 6799)

Mit etwas Geschick können dazu auch ein Schraubendreher mit einer Klingenbreite von max. 2 mm zum Lösen (Abhebeln) und eine kurze, abgewinkelte Spitzzange (sog. Telefonzange) zum Einsetzen verwendet werden.

2.2 Spreizzange (DIN 5254) zum Ab- und Aufziehen von Außensicherungsringen auf blanken Wellen gemäß DIN 471 mit d3 < 10mm (selbstsperrende Seegerringe, s. Bilder 5 und 6).

Damit ist die Gummi-Reibkupplung auf der Welle beidseitig festgeklemmt

Bild 4: Spreizzange zum Ab- und Aufziehen von Seegerringen (DIN 471)

Bild 5: Seegerring für Wellendurchmesser von >8 mm (Beispiel)

Bild 6: Seegerring-Druckflanken bei Ausführungen für Wellendurchmesser mit <9 mm (beim Carmen 56 verwendet => 6 mm)

2.3 Schraubendreher mit Klingenbreiten von 2, 3 und 5 mm, diverse Zangen (Spitzzange, Kombizange usw.).

2.3 Forstnerbohrer mit 22 mm, Hartholz zur Aufnahme der neuen Gummischeibe zwecks Anpassung des Zentrallochs.

2.4 Ständerbohrmaschine oder besser Drehbank zur Anfertigung eines Hilfswerkzeugs zur Aufnahme der Gummischeibe zwecks zentrischer Vergrößerung des Zentrallochs.

Bohr- bzw. Drehmaschine dürfen NICHT rotieren, statt dessen wird eine sog. "Lochflöte" so auf die Gummischeibe gepreßt, daß das Zentralloch exakt zentrisch sowie rechtwinklig erweitert wird !

Die Gummischeibe darf später nach dem Anpressen der Seegerringe nicht "schlagen" !

3. Benötigtes Ersatzmaterial

Als neue Antriebsscheibe wird eine sog. "Wasserhahnscheibe mit Loch" für 3/4" Wasserhähne mit 22 bis 22,6 mm Außendurchmesser, 4 mm Stärke und einem 4 mm Zentralloch im Baumarkt beschafft.

Bild 7: Wasserhahnscheibe in Draufsicht

Bild 8: Wasserhahnscheibe in Seitenansicht

Hinweis:
Derartige Scheiben gibt es auch als 3/4" Scheiben mit 23,x mm Außendurchmesser, 5 mm Stärke und einem Zentralloch-Durchmesser von 5 mm.

Diese Scheiben funktionieren ebenfalls, allerdings ist die Justage des Umschaltmechanismus damit etwas schwieriger (wegen des 1 mm geringeren Umschalt-Freistandes)

3.1. Herstellung einer Zentriervorrichtung zum zentrischen Erweitern des Zentrallochs

Benötigt werden:

1. Massives rundes Hartholz (z.B. Buche), etwa 30 bis 40 mm Durchmesser und ca 10 cm Länge.

2. Forstnerbohrer mit 22 mm Durchmesser (für 22,x mm-Scheiben)

Bild 9: Forstnerbohrer und vordere Stirnseite der Zentrierwalze

Bild 10: Zentrierwalze von der Seite

Die Zentrierwalze wird ab ca 50% der Gesamtlänge abgedreht (z.B. 5 mm => unkritisch), damit beim Andrücken der Lochflöte sich die Walze nicht nach hinten im Spannfutter verschieben kann => Anschlag.

Die Walze erhält auf der Vorderseite eine 22 mm durchmessende und ca. 3 mm tiefe Flach-Bohrung (s. Bild 9), hergestellt mit dem Forstnerbohrer; damit werden absolut rechtwinklige Bohrungskanten mit exakt flachem Boden der Bohrung erzielt.

Loch nicht tiefer bohren, die Gummischeibe muss ohne "Verletzung" des Gummis herausnehmbar sein !

Bild 11 zeigt die Anwendung von Zentrierwalze, Gummiring und Lochflöte, eingespannt auf einer Drehbank (hier als "Pressbank" verwendet).

Bild 11

Der Gummiring sitzt stramm in der Bohrung, die Scheibe steht ca. 1 mm nach außen über.

4. Herstellung des erweiterten Zentrallochs der Gummischeibe und Montage auf der Antriebswelle

Die Lochflöte wird in die Reitstock-Pinole über ein 3-Backen-(Schnell-) Spannfutter eingespannt und im Stillstand der Drehmaschine durch Drehung am Handrad des Reitstocks in die Gummischeibe gepresst, bis sie die Holzwalze erreicht hat. (s. Bild 11)

Das erweiterte Zentralloch sollte einen etwas kleineren Durchmesser als die Lagerwelle (= 6 mm) haben, es kann z.B. mit einer 5 mm Lochflöte gearbeitet werden.

Dann folgt die Montage der Gummischeibe auf der Antriebswelle.

Diese wird zuerst von allen beweglichen Teilen befreit, bis sich nur noch die (alte) Kupplungsscheibe darauf befindet (s. Bild 13).

Jetzt wird der Seegerring am KURZEN Ende der Welle entfernt (Spreizzange verwenden, s. Bild 4).
Hinweis:
Der andere Ring (am langen Wellenende) bleibt unverändert an seinem Platz.

Damit wird später die Ersatzscheibe an genau der richtigen Stelle platziert; verbrauchte Gummischeibe entfernen.

Falls erforderlich kann nach Entfernung der alten Kopplungsscheibe die Welle in eine el. Akku-Handbohrmaschine eingespannt werden und mit einem herumgelegten Stück Schleifpapier (ab 800er) zwischen Daumen und Zeigefinger die Welle durch Betätigen der Bohrmaschine blank geschliffen werden.
Hinweis:
(Je kräftiger man drückt, desto blanker wird die Welle werden).

WARNUNG:
Zum Drehen beim Schleifen nicht die Drehbank oder eine Ständerbohrmaschine verwenden, es besteht Verletzungsgefahr durch zu hohes Drehmoment.

Wenn das erfolgt ist, die neue Gummischeibe am kurzen Ende der Welle (bezogen auf den noch montierten Seegerring) aufstecken, bis zum Seegerring schieben und mit der Spreizzange den hinteren (= 2.) Seegerring am kurzen Ende der Welle aufschieben.

Welle mit dem langen Ende senkrecht in einen Schraubstock klemmen. Dabei unbedingt zwei rechtwinklige Aluminium-Schutzspannwinkel (Stärke: 3 oder 4 mm) benutzen, die Welle darf von den harten Schraubstockbacken nicht verletzt werden !

Der untere Seegerring muss flach (ohne Abstand !) auf den Alu-Winkeln aufliegen.

Jetzt kann mit einem 8 mm Alurohr (ca 10 - 15 cm lang) der hintere Seegerring mit einem Schonhammer fest auf die Gummischeibe getrieben werden, die Seegerringe versinken dabei etwas im Gummi und die Scheibe wird mit der Welle verdrehungssicher verbunden.

Steht kein passendes 8 mm Alurohr zur Verfügung, schiebt man eine M6-U-Scheibe auf den Seegerring.

Damit kann der Anschlagdruck auch über ein 10 mm Alurohr erfolgen,
Hinweis:
der Schlag muss dann aber kräftiger erfolgen.

Bild 12: Antriebswelle vor der Zerlegung

Bild 13: Alte Kupplungsscheibe

Bild 14: Neue Kupplungsscheibe

Es erfolgt der Zusammenbau. Dabei unbedingt auf folgendes achten:

Hinweis:
Die in Bild 12 sichtbaren Druckfedern haben unterschiedliche Druckkräfte, herbeigeführt durch unterschiedliche Drahtstärken .

Die Feder mit dem geringfügig dünneren Federdraht gehört auf das kurze Wellenende, die stärkere Feder auf die lange Seite.

Werden die Federn vertauscht, schafft es später die Rückholfeder der Tastenmechanik nicht, die UKW-Taste ganz nach oben zu schieben, sie bleibt etwa mittig hängen und der Eingriff der AM/FM-Mitnehmerscheiben erfolgt gleichzeitig !

Bild 15: Die Kupplungsscheibe zwischen den Mitnehmerscheiben

Nachdem Federn und Pertinax-Trennscheiben auf die Welle gesteckt wurden, wird die Achse mit dem Ende in das Chassis-Führungsloch eingeschoben und der Sicherungsring montiert (s. Bild 3 ff).

Es folgt das Anschrauben des vorderen Lagerblechs.

Nachfolgende Bilder zeigen die fertig montierte Welle in AM und FM-Stellung, hier noch per Hand betätigt (Schalthebel fehlt noch).

Bild 16: Eingriff in UKW-Stellung

Bild 17: Eingriff in AM-Stellung

Das vorgestellte Verfahren kann u.U. auch bei anderen Fabrikaten (z.B. Grundig) angewandt werden.

WARNUNG:
Die Gummischeibe kann auch durch eine gleich große/dicke Filzscheibe ersetzt werden, die Standhaftigkeit ist damit aber wesentlich verkürzt!

Wer andere Scheibenabmessungen benötigt, kann diese u.a. hier finden:

http://www.haas.de/Images/kapitel_08_de-DE.pdf auf Seite 24


Viel Erfolg