Telefunken 579 WK Restauration: Unterschied zwischen den Versionen

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(Telefunken 579 WK Restauration)
 
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Im Jahr 2014 ging das Gerät dann in den Bestand des Radiomuseum über, das geschah beim letzten [[Sammlertreffen 2014|'''Sammlertreffen''']] was es hier im Museum gab. <br /> Einem guten Freund möchte ich mit diesem Beitrag hier im Wiki danken.
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Im Jahr 2014 ging das Gerät dann in den Bestand des Radiomuseum über, das geschah beim letzten [[Sammlertreffen 2014|'''Sammlertreffen''']] was es hier im Museum gab. <br /> Einem guten Freund möchte ich mit diesem Beitrag hier im Wiki danken. [[Im Andenken an einen guten Freund|<u>Sein Leben war sein Hobby.</u>]]

Aktuelle Version vom 14. Juni 2019, 11:18 Uhr


Telefunken 579 WK Restauration

Diese Restauration wurde vor einigen Jahren von einem sehr guten Freund des Radiomuseum vollzogen. Test ist aus seiner Feder. (Der Bericht stammt aus unserem ehemaligen Forum, Zwischentext und Antworten wurden weg gelassen)


Hallo zusammen,

ich suche den Plan des Telefunken 579WK.

Das Gerät ist mit ECH11, EBF11, EFM11, EL11, AZ11 bestückt.

Es hat mechanische Senderwahltasten, die Vorkreise sind als 2-Kreis-Bandfilter ausgelegt.

Nachfolgende Bilder zeigen das Gerät (in seiner unrestaurierten Urform)

Die Suche im Internet war erfolglos.


Hallo zusammen,

@Richard, Dietmar und Wofgang.

Danke für Eure Einschätzung, ihr liegt wahrscheinlich alle richtig.

Die Wellenbereiche des Geräts sind:

LW: 150 - 420 kHz MW: 550 - 1600 kHz KW: 50,6 - 15,8 m

+ Plattenspieler

@Hans: Du liegst völlig richtig! Nachfolgend eine Großaufnahme des Lizenz-Symbols:

SBR = Societe Belgie Radio-Electrique Bruxelles

SEM = Societe d'Electrique et de Mecanique Bruxelles

Bell = Radiobell Anvers = Antwerpen

Interessanterweise wurde die Beschriftung in Deutsch vorgenommen und nicht französisch bzw. flämisch (s. Hinweis auf die "Telefunkenröhren").

Einer (der?) Vorbesitzer kann aus der Region Luxemburg - Belgien stammen.(Gerät stammt von einem örtlichen Flohmarkt). Die Festsendertastatur wurde mit hier empfangbaren Sendern beschriftet:

Ausnahme: Breslau, das kam wohl über KW.

Schaltungsmäßig kommt dem Gerät der Telefunkentyp T 539 sehr nahe (Danke Wolfgang). Wenn "alle Stricke reißen", werde ich die Schaltung aus dem Gerät heraus nachempfinden. Mal sehen, vielleicht meldet sich doch noch jemand mit dem Originalplan aber große Hoffnungen habe ich eigentlich nicht.


das Gerät scheint ja wirklich "etwas besonderes" zu sein. Ich werde in den nächsten Tagen noch einige Bilder vom Chassis machen und hier veröffentlichen.

Das Schaltbild werde ich sehr wahrscheinlich selbst erstellen müssen (das bekommt dann Hans auch für die Datenbank des Radiomuseums).

Die Seriennummer liegt um 17000 (!), ob das der fabrizierten Anzahl an Geräten entspricht, wage ich zu bezweifeln. Schaltungsmäßig kommt tatsächlich der T 539 dem Gerät am nächsten, Röhrensatz und das Eingangsbandfilter auf MW und LW scheinen (angenähert?) identisch zu sein. Lediglich das mechanische Drucktastenaggregat ist zusätzlich.

Die Drucktastengeräte von Telefunken (mit den rechteckigen Drucktasten) verwenden zwar auch die Röhren der "harmonischen Reihe" aber anstatt der Kombination >> EFM11 + EL11 << eine ECL11 + EM11 als mag. Auge (+ einige eine HF-Vorstufe mit der EF13). Nur der T 539 hat die gleiche Bestückung wie der T 579WK aber ein flacheres (abgeschnittenes...) Gehäuse.

Interessant ist auch noch, daß Telunken-Italien (in Mailand) fabrizierte Geräte mit 500er Nummern hergestellt hat, die enden aber beim T 564 und der T 584 ist Folgemodell, das aber noch mit A-Röhren bestückt war, also vor 1938 entstanden sein dürfte und die hatten weitgehend Wx-Röhrenbestückung (z.B W22 = ACH1 usw.=> uralt...)

Wenn der T 579 wirklich in Deutschland gebaut wurde, dann stellt seine Nummernbezeichnung eigentlich einen "Bruch" der damals üblichen Nummerierung dar, denn die Geräte mit der harmonischen Röhrenreihe haben durchweg eine höhere Nummernbezeichnung (weil sie später entstanden sind ?)

Das Gerät stammt von einem Luxemburger Flohmarkthändler und die Luxemburger wiederum sind eng mit den Belgiern verbunden. Daher auch (möglicherweise?) die Belgische Lizenzmarke. Alle weiteren (erfassbaren) Daten folgen.


kleine Zwischeninformation:

Laut >>> Histoire de la Radiotélégraphie et Radiotéléphonie en Belgique <<< hat die Firma SBR im Jahre 1941 Bauteile für zivile Anwendungen von Telefunken im Wert von (damals) 7,2 Millionen Belgischen Francs bezogen ...

In der SBR-Fabrikationsaufstellung von damals ist aber kein Telefunken-Gerät explizit erwähnt.

Die gleiche Firma hat 1939 ein Gerät mit Namen >>> Ondolina 393 ABP DK << herausgebracht. >> DK << bedeutet >> Drukknop => Druckknöpfe. Dieses Gerät hat die exakt gleiche Tastatur wie der 579 WK, 6 braune runde Drucktasten, verwendet den gleichen 3-fach-Drehko und ist mit amerikanischen Stahlröhren bestückt. Desweiteren war dessen Netztrafo-Blechpaket wie beim 579 WK mit Silberbronze bestrichen ...

Werde weiter berichten ...


die Suche nach dem Schaltplan hat sich erledigt.

Er ist mittlerweile vorhanden und wird demnächst in der Datenbank des Radiomuseums Bocket zu finden sein. Ebenfalls hat sich der Ursprung des Geräts geklärt, es ist somit kein "unbeschriebenes Blatt" mehr.

Danke an alle, die sich um die Faktenfindung bemüht haben.


Hallo zusammen

kann verstehen, daß das Interesse groß ist, ging mir ja ebenso ...

@ Gidi: Werde einen ausführlichen Bericht vorbereiten und Dir an Deine Mail-Box senden. Danke für den Hinweis auf Luxemburg, dort gab es aber keine Produktionsstätte, die solch ein "Großgerät" hätten bauen können.

Das Gerät war in einem außerordentlich schlechten Zustand:

1. Der Drehkondensator war so verdreckt, daß er sich nicht mehr verstellen ließ. 2. Das Tastaturaggregat war stellenweise festgerostet (!). 3. Das cadmierte Chassis war an mehr als einem Dutzend Stellen stark verrostet. 4. Sämtliche isolierten Drähte brachen bei Bewegungen wie rohe "Spagetti". 5. Die Glasskala ist bis zur Unleserlichkeit auf der Bechriftungsseite (!) verdreckt. 6. Spannfedern des Skalenantriebs und Wellenbereichzeigers waren zu Staub verfallen (Rost). 7. Glimmerkondensatoren (Padding-Cs) waren aufgeplatzt. 8. Holz-Furnier fehlt teilweise am Gehäuse, der Rest hat sich stellenweise in Wellen gelöst. usw. usw.

Das Gerät mußte daher bis auf das blanke Chassis zerlegt werden. Dabei wurde die Schaltung > rekonstruiert < und anschließend per PC neu gezeichnet. Soviel vorweg: Die Schaltung entspricht keinem im > Telefunken Werkstattbuch von 1948 < aufgeführten Gerät.

Während der Zerlegung habe ich aufschlußreiche Fakten entdeckt, die darauf hinweisen, wo/wer das Gerät gebaut hat. Eines ist sicher: Es wurde NICHT bei/von Telefunken gebaut, ist also kein >> Exportgerät << sondern eine >> Auftragsproduktion << für die Benelux-Länder (?).

Daß das Ziel die Beneluxländer gewesen sein könnte, wird durch die >> West-ZF << belegt. Da ab 1933 der Sender Luxemburg auf Langwelle (232 kHz) arbeitete und dessen 1. Oberwelle auf 464 kHz lag, hatten alle Super mit z.B. 468 kHz Zwischenfrequenz im Umkreis von bis zu 200 km das Problem, daß sämtliche Sender einen 4 kHz -Pfeifton hatten. Aus diesem Grund wurde von der Industrie seinerzeits die ZF auf 473 kHz festgelegt und genau darauf waren die ZF-Filter des 579 WK eingestellt.

Heinweis: Dieser Effekt war ganz besonders beim Telefunken-Super > Nauen < von 1933 hörbar. Der hatte nämlich 232 kHz Zwischenfrequenz und keinerlei Sperrmittel für die ZF. Das gab ihm den Namen >> Die pfeifende Johanna <<, nach dem 1933 erschienenen Schlager der Commedian Harmonists ...

Es gibt aber noch einen, eventuellen weiteren Hinweis:

Die Typenbezeichnung 579 WK kann entweder als > Wechselstromgerät < oder, speziell bei Telefunken (!) als > Westgerät < gesehen werden. Alle Westgeräte hatten 472 oder 473 kHz Zwischenfrequenz.

Zur Zeit befindet sich das Gerät im Rückbau. Werde das Schaltbild nach Fertigstellung noch um einen Abgleichplan erweitern. Abschließend werden die Unterlagen in der Datenbank des Radiomusuems Bocket abrufbar sein.

Bis dahin ist aber noch viel Arbeit zu erledigen, ich bitte also etwas um Geduld. Aus aktuellem Anlaß (Probleme mit Datenklau) will ich hier nicht öffentlich über Einzelheiten berichten. Ich hoffe auf Verständnis.

Soviel kann aber schon gesagt werden:

1. Frequenzbestimmende (Glimmer) Preßkondensatoren stammen von HUNTS (London) 2. Kondensatoren sind mit einer Firmenkennung bedruckt 3. Elektrolytkondensatoren sind französisch beschriftet und tragen ebenfalls eine Firmenkennung 4. Der Netztransformator hat zöllige Maße, die Kernbleche stammen entweder aus England oder USA Der Trafo trägt eine Firmenkennung. 5. Das Lautstärkepotentiometer wurde von CTS (Chicago Telephon Systems) hergestellt. 6. Der Lautsprecher samt Übertrager trägt eine Firmenkennung 7. Das Tastenaggegat ist mit zölligen Schrauben zusammengebaut

Die Telefunkentypenbezeichnung 579 WK ergibt folgende Daten:

5 = 5 Röhren (ECH11, EBF11, EFM11, EL11, AZ11) 7 = Anzahl der Kreise: 2 Vor-, 1 Oszillator- und 4 ZF-Kreise 9 = Herstellungsjahr: 1939 W = Wechselstrom- oder Westgerät K = Kurzwellenbereich vorhanden

Laut eigenen Recherchen ist die Firmenkennung eindeutig, d.h. mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit sind Hersteller und Fertigungsjahr bekannt.

Auch der Rückwandhinweis >> Nur Telefunkenröhren verwenden < hatte einen Grund: Der Hersteller hatte sämtliche, von Telefunken bei der Röhrenherstellung NICHT beschalteten Sockelanschlüße als > Lötstützpunkte < verwendet. Fremdfabrikate, die u.U. diese Stifte als "innere Verbindung" in den Röhren verwendeten, hätten daduch Probleme gemacht .

Das ist der Stand der Dinge ...


vielen Dank für die Informationen bez. der Benelux-Lizenzschilder. Im vorliegenden Fall geht es aber nicht primär um die Lizenz sondern den eigentlichen Hersteller.

Eine kurze Information:

Die Belgische Firma SBR verwendete ein Erkennungssystem für ihre Geräte, die im jeweiligen 4. Quartal eines Jahres das darauffolgende Jahr als Kenn-Nummer hatte.

Z.B. 397 = Herstellungsjahr 1939, 7 eine fortlaufende Nummer, möglicherweise der Monat der Produktion bzw. der Entwicklung. Das Chema beginnt etwa in den 20er Jahren, alle Geräte der Produktion von z.B. 1931 begannen mit 31x= 1931: 33x= 1933: 34x = 1934 usw. Es wurde bis etwa 1940 beibehalten. Im gleichen Jahr erfolge die Requirierung des neutralen Belgiens durch die Nazis und SBR wurde von Telefunken/Siemens "beschlagnahmt".

Die Geräte dieser Firma erhielten 2 unterschiedliche Namen bzw. Bezeichnungen, z.B. Ondolina und 393 DK, wobei DK flämisch für > Drukknop < (hoffentlich richtig geschrieben ...?) = Druckknopf bedeutete. Das besagte Gerät 393 DK war ein Druckknopf-Empfangsgerät von 1939 mit exakt der gleichen mechanischen Tastatur sowie dem gleichen Drehkondensator wie beim 579 WK von Telefunken aber mit amerikanischen Röhren.

Auch die Art des Chassis, z.B. die Anschlußleisten für Antenne/Erde, 2.Lautsprecher usw. entsprechen denen des 579 WK.

Das Gerät ist auf der Homepage des SBR-Museums abgebildet:

http://www.eeuwfeestpaleisje.be/big/109-galerij_30.htm

(Bild anklicken um es zu vergrößern)

Bei der Zerlegung des Telefunken wurde auf allen Kondensatoren die Nummer 397 oder 396 usw. aufgedruckt gefunden, auch auf jedem Elektrolytkondensator, die französisch beschriftet wurden. Auch auf dem Netz- und Ausgangstrafo steht diese Nummer, zusammen mit der Seriennummer. Es bestehen lediglich bei einigen Kondensatoren Unterschiede an der 3. Stelle = Fabrikationsmonat (?).

Habe von diesen Bauteilen samt der betreffenden Nummer Bilder gemacht, die werden später hier im Forum veröffentlicht.

Dies, sowie die bereits erörterten Fakten lassen darauf schließen, daß das Gerät nicht von Telefunken sondern von SBR gefertigt wurde.

Zur Erhärtung dieser Fakten wurde gleichzeitig mit dem 579 WK ein "echter" Telefunken, ein 965 WK (genannt > Condor<) von 1939 zerlegt und die Bauteile verglichen. Bereits beim Netztrafo ist der erste gravierende Unterschied zu sehen: Der Condor verwendet einen M102b - Eisenkern mit verschachteltem Pertinax- Wickelkörper nach DIN, der 579 einen E I-Kern mit zölligen Abmessungen und einer "offenen" = wickelkernlosen = typisch amerikanischen Wicklung. Desgleichen der NF-Ausgangstransformator, er hat ebenfalls zöllige Abmaße und eine "offene" Wicklung. Beide tragen die gleiche 3-stellige Nummer 397 gut sichtbar an der Seite. Das Chassisblech weist einen weiteren Unterschied auf:

Der 579 WK ist cadmiert, der 965 WK verzinkt. Letzterer ist sichtbar großflächig "angelaufen" während der 579 WK unmittelbar neben den Roststellen silbrig blank geblieben ist .

Diese Art der "Chassisveredelung" ist auf sämtlichen Bildern von SBR-Geräten gut zu erkennen.

Alleine aus politischen Gründen war die Verwendung derartiger Bauteile und Materialien bei Telefunken/Siemens generell unüblich. Es bleibt also nur der Schluß:

Der 579 WK wurde NICHT von Telefunken gebaut sondern als Auftragsproduktion bei SBR im Jahre 1939, wobei die Jahreszahl 1939 der frühest mögliche Herstellungstermin ist, denn die Röhre EFM11 wurde 1939 auf den Markt gebracht und verschwand bereits wieder 1940.

An diesen Fakten, zusammen mit den bereits erläuterten, kommt man bei der Hersteller-Bestimmung nicht vorbei, deswegen meine Behauptung >> Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit << ist das Gerät ein SBR, hergestellt 1939 oder 1940, wahrscheinlich eher 1939.

Man findet in der Geschichte der Firma SBR, daß Telefunken und Siemens dort sehr etabliert waren. Auch nach dem Radio-Produktionsverbot der Nazis am 12. Mai 1942 wurden bis 1943 bei SBR Teile und Geräte für die Telefunken-Kriegswirtschaft gefertigt.

Die Radioproduktion ruhte aber bis 1947, dann erst kamen die ersten Nachhkriegsgeneräte auf den Markt. Die Zusammenarbeit zwischen Telefunken/Siemens mit SBR war aus Sicht der Belgier aber kein "Ruhmesblatt", deshalb wurde diese Zusammenarbeit später nicht weiter erwähnt und eher " totgeschwiegen"...


diesmal komme ich mit einem unlösbaren (?) Problem.

So sieht die Skala aus ! Der Dreck ist auf der Beschriftungsseite und die Skalenfarbe löst sich in Wasser ab. Da ist guter Rat teuer !

Hat jemand eine "zündende" Idee ???

Hallo Rainer

Nun ich denke hier kann man nur mit sehr großer Geduld und sehr viel Anstrengung etwas retten.

Man sollte mit sehr feinen Pinseln in verschiedenen Größen ans Werk gehen. und so mit und mit das gröbste säubern, zwischen den Namen würde ich nichts machen nur die großen Stellen wo es möglich ist. Aber es ist eine ruhige Hand und viel Geduld angesagt.

Anders wüste ich keinen Rat.

Oder

Du solltest dir eine Kopie machen auf dem Rechner die Sache bearbeiten dann auf Folie neu drucken ?

Hallo Hans

mit dem Pinsel geht der Dreck nicht runter. Eine Kopie wurde mittels DIN-A3 Scanner schon gemacht, aber die Beschriftung ist breiter als DIN-A4 hoch (oder lang), somit fällt, mit meinen Mitteln dieser, gute (!), Vorschlag aus (Drucker zu klein). Zur Zeit ruht die Skalensäuberung, möchte nichts > zu früh< kaputt machen. Das Radio ist ansonsten fertig restauriert, zum Abgleichen fehlt aber noch die Skala ... Mal sehen welche Vorschläge noch kommen. Hallo Juan

Die Skala ist 3cm länger als ein DIN-A3-Scanner scannen kann und mindesens 5 bis 6 cm länger als ein DIN-A3-Blatt lang ist. Mittlerweile ist die Skala etwas gesäubert und kann zum Abgleich des Geräts verwendet werden. Auch das Gerät selber ist fertig restauriert und hat schon die ersten Töne von sich gegeben. Vielen Dank für das Angebot, ich habe leider keinen Platz mehr für ein so großes Gerät. Im Arbeitszimmer stapeln sich mittlerweile die restaurierten Geräte in mehreren Reihen bis zur Zimmerdecke.

Zur Zeit bin ich am Zeichnen und Schreiben des Abgleichplans, die Schaltung ist mittlerweile auch fertig ermittelt und ausdruckbar. Wenn ich fertig bin, wird hier alles veröffentlicht.

Nochmals vielen Dank für das Angebot, vielleicht kann ein anderer den Drucker gebrauchen !


Hallo zusammen,
zuerst der mittlerweile erforderliche Vortext, leider :
Die vorgestellten Bilder, Schaltbilder sowie der textliche Inhalt unterliegen dem deutschen Urheberrecht.
Vervielfältigung, Bearbeitung und Verbreitung oder jedwede andere Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedürfen meiner schriftlichen Zustimmung.
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Es folgt der erste Teil der Gerätevorstellung:

1. Der Istzustand des Telefunken 579 WK:

Das Gerät stammt von einem regionalen Flohmarkt, ursprüngliche Besitzerin war eine Flohmarkthändlerin aus Luxemburg und es wurde 1998 zu meinem Besitz.

Der Zustand des Geräts war erbärmlich, es stammte offensichtlich von einem Schrottplatz, dementsprechend waren einige Maßnahmen zur Rettung erforderlich. Im Inneren des Gerätes lag der Dreck rund 1 cm hoch und nach der ersten Reinigung mit Preßluft offenbarte sich das Chassis so, wie im ersten Bild gezeigt:

Bild 1

Die Lager des Drehkondensators waren festgefressen und 4 Tasten des Tastenaggregats festgerostet, Spannfedern der Skalen- und Wellenbereichzeiger waren zu Roststaub zerfallen.

Das nächste Bild zeigt das Chassis im Originalzustand von unten: Bild 2

Es erfolgte die systematische Zerlegung und die Aufstellung der Schaltung. Die nächsten Bilder zeigen das freigelegte Chassis von oben und unten:

Bild 3

Bild 4

Die Lautsprecher-Schallwand ist mechanischer Bestandteil des Chassis und trägt die außen angebrachte, frei schwebende, Skalenscheibe. Der Bespannstoff war in sehr schlechtem Zustand und komplett abgelöst. Als Grund stellte sich heraus, daß der Hersteller die Schallwand beidseitig mit schwarzer "Glanzfarbe" gestrichen/besprüht und den Schallwandstoff mit sog. Glutinleim", auch unter dem Begriff " Knochenleim" bekannt, angeklebt hatte. Bei unbehandeltem Holz ist Glutinleim ideal, er wird z.B. im Musikinstrumentenbau bis zum heutigen Tag erfolgreich verwendet, aber auf einer lackierten Oberfläche löste ersich komplett ab.

Nachfolgende Bilder zeigen zuerst ein Teil der lackierten Schallwand und dann die abgelöste Schallwandbespannung:

Bild 5

Bild 6

Auch der Lautsprecher hatte gelitten, der Filzrand hatte sich rundherum, samt Membran, gelöst.

Bild 7

Die Röhrensockelkontakte waren stark sulfatiert = schwarz angelaufen, was zeigt, daß das Gerät über längere Zeit in schwefelhaltiger Luft gelagert hatte, z.B. in der Nähe eines Pferdestalls:

Bild 8


Am Gehäuse hatte sich auf einer Seite an etwa 20 Stellen das Furnier in Wellen gelöst, die mit einer Injektionsspritze durchstochen und mit Wasser "unterirdisch" gewässert wurden. Es folgte nach 24 Stunden das Unterspritzen von verdünntem Weißleim:

Bild 9

Dann wurde eine mit Alufolie beschichtete Holzplatte (klebt nicht am Weißleim) auf das Furnier unter Druck festgespannt und 24 Stunden in Ruhe gelassen:

Bild 10

Das Chassis wurde beim Hersteller cadmiert und nicht verzinkt, eine Methode, wie sie vor allem bei SBR angewandt wurde. Ein aus dem gleichen Baujahr 1939 stammender "deutscher" Telefunken-Super hat ein verzinktes Chassis.


2. Ermittlung der Herstellerfirma

Zuerst soll nach dem > Ausschlußverfahren < gezeigt werden, daß Telefunken in Deutschland dieses Gerät nicht gebaut haben kann. Möglicherweise war Telefunken an der Erstellung der Schaltung beteiligt, aber der Unterschied z.B. zum T 539 W ist doch eindeutig.

Fangen wir mit dem Netztransformator an:

Telefunken war in den 30er Jahren ein "Ableger" von Siemens. Die Folge war, daß Netztransformatoren während dieser Zeit vorwiegend von Siemens als Fertigteil an Telefunken geliefert wurden. Siemens wiederum, als "sehr" typische Deutsche Firma verwendete ausschließlich Trafokerne nach DIN 41302 mit Spulenkörpern nach DIN 41304. Nehmen wir als Beispiel einen Trafokern der Bauart EI 92. Die Kernbleche hatten ein "Längsmaß" von 92 mm und eine Breite mit dem I-Teil zusammen von 62,5 + 11,5 = 74 mm. Außerdem hatten die DIN-Kerne 4 Schraublöcher für M-4 Schraubbolzen zum Zusammenpressen des Kerns. Die Spulenkörper für M- und EI-Kerne wurden vorwiegend in Schachtelbauweise ausgeführt. Ein typischer Verteter ist der gleichaltrige Telefunken 965 WK, genannt "Condor", er hat einen Siemenstransformator mit M-102-Kern und einen Spulenkörper in Schachtelbauweise.

Stellen wir einem solchen Trafo dem des 579 WK gegenüber, ergeben sich sichtbare Unterschiede. Das nachfolgende Bild 11 zeigt den Trafo:

Bild 11


Die Gegenüberstellung zeigt:

Typ...................... Längstmaß.........................Gesmatbreite................Kernlöcher


EI 92.......................92 mm EI 92................................................................... 74 mm Bef. Löcher.............................................................................................. 4 Sp-Körper nach DIN 41304

579......................... 94,4 mm 579..................................................................... 78,4mm Bef.Löcher................................................................................................ 2 Sp-Körper amerikanisch, offen

Man erkennt, daß der Netztrafo nicht der DIN-Norm entspricht und deshalb aus einem (anglikanischen) Land eingeführt wurde, wahrscheinlich aus England.

Auch mußten beim Trafo des 579 2 Spannrahmen zur Einfassung der Trafobleche verwendet werden, da die fehlenden Durchgangslöchern an 4 Ecken fehlen. Das nachfolgende Bild zeigt einen solchen Spannrahmen:

Bild 12

Der Spannrahmen trägt 2 Nummern, zur Beutung der unteren komme ich noch zu sprechen.

Fazit: Telefunken oder Siemens fallen als Lieferanten aus.

Nächster Punkt: Das Lautstärkepotentiometer: Es wurde in Amerka von CTS gebaut:

Bild 13

Solche Potentiometer wurden von Siemens, als Zulieferer für Telefunken, nicht hergestellt.

Fazit: Der Hersteller Siemens fällt aus.

Kommen wir zum Lautsprecher samt Ausgangübertrager. Nachfolgendes Bild zeigt den Ausgangstrafo, entscheidend ist auch hier die Nummer:

Bild 14

Auch dieser Trafo hat anglikanische Maße, weder Siemens noch Telefunken haben jemals solche Transformatoren gebaut.

Fazit: Siemens und/oder Telefunken fallen als Hersteller aus.

Kommen wir zu den Elektrolytkondensatore. Ich zeige 2 Beispiele, die Beschriftung ist französisch:

Bild 15

Bild 16

Fazit: Siemens als Bauteilehersteller fällt als Produzent aus.

Als letztes Ausschlusskriterium soll das Tastenaggregat genannt werden. (Bild folgt später). Es weist durchweg "zöllige" Schraubengewinde auf, auch hier fallen als Produzenten Telefunken und Siemens aus. Radiogeräte von Telefunken verwendeten seit 1937/38 ein völlig anderes Verfahren bei Tastensupern. Es wurde nicht mechanisch die Stellung des Drehkondensators "gespeichert" wie beim 579 sondern es wurden komplette Spulensätze umgeschaltet. Vielleicht hatte der Hersteller des 579-Tastenaggregats das Patent auf seiner Lösung und Telefunken mußte deshalb auf diesen brillianten Weg, auch aus politischen Gründen (?), verzichten.

Gehen wir jetzt den umgekehrten Weg, wir versuchen den wahren Hersteller zu ermitteln.

Dazu muß man folgendes Wissen:

Die Firma SBR in Brüssel hatte ein Markierungssystem der von ihr produzierten Geräte. Dieses bestand aus einer 3 stelligen Zahl, die ersten beiden gaben das Produktionsjahr an und die letzte Stelle könnte der Produktionsmonat gewesen sein.

Im SBR-Radiomuseum steht für das Produktionsjahr 1939 folgender Hinweis: Zitat: In het laatse kwartaal van 1938 bracht men reeds de eerste radios's von de serie 39 op de markt. Zitat Ende

Im gleichen Jahr, also 1939, brachte SBR einen Drucktastensuper mit exakt der gleichen Tastatur und dem gleichen, pertinaxisolierten, 3-fach Drehkondensator in eigener Regie auf den Markt.

Bei der Zerlegung des 579 fiel folgendes auf: Netztransformator, Ausgangstransformator, alle Elkos und alle Kondensatoren tragen eine 3-stellige Nummer, die mit 39 beginnt:

Bild 17

Da solche Bauteile niemals in Deutschland importiert wurden, gibt es nur eine Erklärung dafür: Der Telefunken 579 WK ist kein deutsches Exportgerät sondern eine Produktion von SBR für die Beneluxstaaten im Auftrag von Telefunken.

Als nächstes möchte ich das Bild der im 579 verwendeten Netzsicherung zeigen:

Bild 18

In von Telefunken oder Siemens herausgebrachten Geräten waren grundsätzlich immer Sicherungen nach DIN-41571 verbaut. Das typische "englische" Sicherungselement stammt also mit Sicherheit nicht von einer deutschen Firma.

Es folgt ein Bild der im 579 verwendeten "Glimmer-Quetsch-Trimmkondensatorenen". Die stammen von der englischen Firma HUNTS aus London. Telefunken und Siemens verwendeten damals grundsätzlich Steatit-Trimmer, einer Firma zur Herstellung von keramischen Trimmern.

Bild 19

Zum Abschluß noch eine Aufnahme des restaurierten 3-fach Drehkondensators. Der gleiche Kondensator wurde auch in dem "eigenen" Tastensuper der Firma SBR im Jahre 1939 verwendet:

Bild 20

Das Chassis ist, wie bereits erwähnt, cadmiert und nicht verzinkt. Cadmium wurde Ende der 30er Jahre in Deutschland für die Kriegstechnik dringend benötigt, deshalb war dieses Schwermetall so selten, daß Telefunken oder Siemens niemals für ein Konsumgerät darauf zurückgreifen konnten.

Fassen wir zusammen:

Alle Indizien lassen darauf schließen, daß der Telefunken Drucktastensuper 579 WK von der Firma SBR in Brüssel als "Auftragsprodukt" für die Beneluxstaaten hergestellt wurde.

Die Verwendung in den Beneluxstaaten kann an folgenden techn. Merkmalen erkannt werden:

1. Die ZF-Frequenz beträgt 473 kHz, also weit genug weg von 2 x 232 kHz 2. Der Bandfiltereingang auf Lang- und Mittelwelle 3. Das verwendete "Dämpfungsglied" am Eingang von Lang- und Mittelwelle. (Vorstellung erfolgt später)

Seit 1933 arbeitete der Sender Luxemburg auf 232 kHz. Er war so stark. daß im Umkreis von rund 100 km jeder Empfang anderer Sender auf Lang- und Mittelwelle mit Standardsupern unmöglich war. Standardsuper hatten nur einen Eingangskreis, der 579 dagegen zwei, als Bandfilter geschatet. Die 6 Kreiser wurden am Eingang, durch die enorme Feldstärke von Luxemburg (Rundstrahler, 150 kW Gestell-Leistung), "zugestopft", eine moderate Bedeutung von "Übersteuerung" und die Mischstufe im HF-Eingang wurde dadurch gänzlich unempfindlich. Luxemburg liegt, auch heute noch, auf einem Hügel an der belgischen Grenze und man hat aus 50 km Entfernung noch Sichtkontakt zum Sender.

Deshalb mußten Empfänger für die Beneluxstaaten besondere Trennschärfekriterien auf Lang- und Mittelwelle erfüllen und dazu gehörte ein Bandfiltereingang und, wie bei 579, ein Dämpfungsglied im Antenneneingang, um die Grundwelle von Luxemburg ausreichend zu dämpfen ...


3. Der technische Teil

Ich beginne mit dem HF-Eingang und der Röhre ECH 11:

Bild 21


Das Schaltbild zeigt die HF-Selektion mit dem Bandfilter für Lang- und Mittelwelle und dem Kurzwellen-Vorkreis. Die HF-Spannung gelangt über eine Drossel mit (gemessenen) 8,6 mH zum Antenneneingang von Lang- und Mittelwelle. Diese Drossel ist das bereits erwähnte "Dämpfungsglied". Es bewirkt, daß das HF-Signal, bevor es die langwelligen Eingangskreise erreicht, um (gemessene) 28 dB reduziert wird. Diese Maßnahme ist nur in unmittelbarer Nähe zum Sender Luxemburg sinnvoll, im vorliegenden Fall wurde die Spule überbrückt. Rechts ist der Oszillator, eine parallel gespeiste Meißner-Schaltung mit abgestimmtem Anodenkreis. Die Padding-Kondensatoren bestehen aus keramischen Glimmerkondensatoren und stammen ebenfalls von der englischen Firma HUNTS. Diese hatten beide auf der Oberseite jeweils einen senkrechten Riß, der wurde mit mehreren Lagen von Nagellack verschlossen. Die Kapazität stimmte aber noch ... Mischröhre und Oszillator liegen mit der gemeinsamen Kathode ohne RC-Glied an Masse.

Die nachfolgenden 2 Bilder zeigen den Spulensatz des Bandfilters für Lang- und Mittelwelle:

Bild 22

Bild 23

Es handelt sich dabei um ein jeweils gemischt gekoppeltes Bandfilter, eine Kopplungsart ist eine kapazitive Fußpunkt- (Strom-) Kopplung mit rund 55nF (50.000 cm), die von einer magnetischen Kopplung der Spulen unterstützt wird. Dadurch ist die Durchlaßkurve über den gesamten Bereich leicht überkritisch (Höcker zwischen 0,7 und 1,5 dB) , beim Abgleich muß das besonders berücksichtigt werden. (Abgleichanleitung bekommt Hans für die Datenbank)

Der KW-Vorkreis bildet eine eigene Baugruppe mit dem zugehörigen Glimmer-Trimmer:

Bild 24

Die Oszillatorspulen sind mit den parallelen C-Trimmern ebenfalls auf einer weiteren gesonderten Platte untergebracht:

Bild 25

Alle Vor- und Oszillatorkreise verwenden (Glimmer-) Trimmer, auch der Langwellenbereich (das ist sonst nicht üblich, Langwelle wird normalerweise ohne Trimmer mit dem Spulenkern alleine auf Bandmitte abgeglichen)

Die Mischstufe wird auf allen Bändern geregelt. Die Regelspannung gelangt über das jeweils "kalte Ende" der LW-MW-KW-Gitterspule an das Gitter. Die verwendeten Glimmer-Trimmer von HUNTS haben einen verhältnismäßig großen Verstellbereich, der beginnt bei voller Öffnung mit (gemessenen) 5 pF und endet bei voller Pressung bei rund 70 pF (Quetsch-Trimmer, s. Bild 19).

Es folgt die ZF-Stufe mit der Röhre EBF 11:

Bild 26

Diese hat einige Besonderheiten. Zum einen arbeitet sie mit einem Kathoden-RC-Glied mit R = 1 kOhm und C = 100 nF. (Verzögerung der Regelspannung um zunächst rund 3 V) Der Eingangskreis ist normal ausgeführt, der Ausgangskreis hat eine sekundärseitige Anzapfung. Die vermindert die Bedämpfung durch die NF-Demodulatordiode und setzt die Amplitude der NF-Spannung etwas zurück. Auch liegt der Masse-Bezugspunkt über 200 kOhm auf Kathodenpotential, dadurch tritt keine Verzögerung der NF-Demodulaton auf (geringere Verzerrungen bei schwachen Signalen).

Die zweite Diode der EBF 11 liegt über ebenfalls 40 pF am Hochpunkt des Sekundärkreises. Hier ist der Massebezug das Chassis (über 800 kOhm + 800 kOhm). Die Regelspannung wird also mit 1,5 V verzögert (Spannungsteilung durch die beiden 800 KOhm Widerstände), dadurch erreicht der Empfänger bei kleinen Eingangssignalen sicher seine größte Eingangsempfindlichkeit.

Nachfolgendes Bild zeigt die ZF-Spulen:

Bild 27

Sie haben eine Induktivität von (gemessenen) 650 µH bei mittlerer Abstimmkernstellung, die Kreiskapazitäten sind sog. "Glimmer-Folienkondensatoren" von Siemens. Die ZF ist im Bereich von etwa 440 kHz bis etwa 490 kHz abstimmbar. Im Urzustand waren sie auf etwa 473 kHz abgestimmt. Bei dieser Frequenz ist die Durchlaßkurve noch leicht unterkritisch, beim Abgleich kann jeweils auf "Maximum" abgeglichen werden. Bei 440 kHz wird die Durchlaßkurve dagegen leicht überkritisch mit einer Höckeramplitude von rund 0,8 dB.

Es folgt der NF-Teil. Auffallend ist, daß der 579 keine gehörrichtige Lautstärkeeinstellung hat. Die untere Grenzfrequenz liegt wegen der relativ kleinen Koppel-Kondensatoren im Betrieb bei etwa 80 Hz, gemessen über den Ausgangstransformator (auch der Trafo spielt hier eine wichtige Rolle).

Bild 28

Einige weitere Besonderheiten seien noch erwähnt:

Die Gegenkopplung: Bei "normalen" Telefunkengeräten der gleichen Zeit war immer nur die Endstufe gegengekoppelt, d.h. es erfolgte eine sog. Spannungsgegenkopplung von der Anode der Endröhre zur Anode der Vorröhre. Beim 579 ist das anders, hier erfolgt eine Gegenkopplung von der Anode der Endröhre zur Kathode der Vorröhre EFM 11. Dadurch wird aus der Spannungsgegenkopplung eine Stromgegenkopplung. Der Grund dafür könnte folgender sein:

Die Vorröhre EFM 11 muß am Steuergitter der NF-Pentode immer geregelt werden, da das magische Auge über eine innere Verbindung damit verbunden ist und so angesteuert wird. Nun neigen geregelte NF-Stufen zu erhöhtem Klirrfaktor, bindet man die geregelte Vorröhre in die Gegenkopplung mit ein, reduzieren sich diese regelspannungsabhängigen Verzerrungen. Der (gemessene) Klirrgrad des gesamten NF-Zweigs beträgt bis zur Ausgangsleistung von 3 Watt weniger als 5%, darüber steigt er aber gewaltig an und erreicht bei 4 W bereits mehr als 20%.

Eine weitere Besonderheit ist der Anschluß für den zweiten Lautsprecher. Normalerweise lag dieser bis etwa 1951 parallel zum Ausgangstransformator (dann wurde das aus Sicherheitsgründen verboten). Beim 579 liegt er auch parallel zum Ausgangstransformator aber einseitig über eine Kapazität von 25000 cm (ungefähr 27000 pF) an der Anode und die andere Seite an Masse. Mir ist kein Lautsprecher bekannt, der bei dieser Methode eine brauchbare Tiefttonwidergabe gehabt hätte.

Kommen wir zum Abschluß der Schaltungsbeschreibung noch zum Netzteil. Die Netztransformator-Leerlaufspannung beträgt bei genau 220 V Netzspannung (nicht 230 V) anodenseitig 380 V Wechselspannung. Damit erhält man kurz nach dem Einschalten eine Spannung von rund 540 V am Lade- und Siebkondensator. Bei 230 V am 220V-Trafoanschluß beträgt die Spannung sogar rund 565 V. Deshalb mußten besonders gut formierte Elkos verwendet werden. Steht das Gerät längere Zeit still, besteht beim Einschalten eine kurzzeitig starke Erhitzungsgefahr der Elkos.

Der originale Elko war nicht mehr zu retten, er hatte bei beiden Kondensatoren einen Kurzschluß. Da Elkos nur bis 400 V zur Verfügung standen, wurde von der "Restaurierung" mittels Einzel-Cs abgesehen und ein Siemens-Elko mit 50 + 50 µF und 550 V Spitzenspannung verwendet.

Kommen wir jetzt zu einigen mechanischen Problemen. Da wäre zuerst der Schallwandbespannstoff. Der war im Original so "verfault" daß ein "Tipp" mit dem Finger schon ein Loch erzeugte. Er mußte, auch wenn es wehtat, erneuert werden. Um nicht den gleichen Fehler wie der Hersteller zu begehen und den neuen Stoff auf die glanzlackierte Holzoberfläche zu kleben, wurde die Schallwand bis auf das blanke Holz abgeschliffen. Nachfolgend einige Bilder dieser Aktion:

Bild 29

Dann wurde der neue Schallwandstoff auf ein Brett gespannt:

Bild 30

Danach erfolgte das Kleben mit Weißleim:

Bild 31

Zum Abschluss noch einige Bilder der Mechanik. Die Schrauben des Geräts waren alle sehr verrostet, Messingschrauben waren schwarz angelaufen:

Bild 32

Nach dem Einlegen für 2 Minuten in > Felgenreiniger< sahen die Messingschrauben so aus:

Bild 33

Das Tastenaggregat mit dem 3-fach Drehkondensator wurde ebenfalls mit Felgenreiniger behandelt und dann geölt:

Bild 34

Bild 35

Ein ganz besonderes Problem war der Skalenantrieb. Die Abstimmachse hat axial 2 Raststellungen:

Eingedrückt: Über einen Friktionsantrieb kann mit dem Drehknopf ein Sender eingestellt werden.

Raus gezogen: Die Abstimmachse läuft leer, jetzt kann per Tastenkopfdruck ein "programmierter" Sender gewählt werden.

Der Friktionsantrieb geschieht über eine kegelförmige Gummirolle. Die war natürlich hart wie ein roher Spagetti ... Also musste Ersatz beschafft werden.

Das nachfolgende Bild zeigt den Rohling:

Bild 36

Der Rohling ist eine Gummi-Transport-Rolle aus einem Cassettenrecorder. Zuerst wurde in die originale 6mm-Achse des 579 ein zentrisches M-3 Gewinde geschnitten. dann wurde die 2,5 mm Bohrung der Gummirolle auf 3,0 mm aufgebohrt. Die Gummirolle wurde auf die 6 mm-Welle aufgesetzt, mit einer M3x16 Schraube fixiert und der Gummi in der Drehbank mit einem Schleifpapierstreifen, aufgezogen auf einen Holzspatel, kegelförmig geschliffen. Das nächste Bild zeigt das Ergebnis:

Bild 37

Der Schleifvorgang dauerte mehrere Stunden.

Das nächste Bild zeigt die Einzelteile der kompletten Friktionsmechanik, noch ohne die Gummirolle:

Bild 38

Es folgt ein Bild des jetzt wieder kompletten Skalenantriebs:

Bild 39


Zum Abschluß noch einige Bilder des Chassis:

Zuerst die Ansicht von hinten:

Bild 40

Es folgt die Ansicht von vorne:

Bild 41

Die Schallwand ist Bestandteil des Chassis, sie trägt neben dem Lautsprecher und dem magischen Auge auch die freischwebende Skalenscheibe, die über die gesamte Breite der Front verläuft. Zuerst das Chassis mit Schallwand von hinten:

Bild 42

Es folgt die Ansicht von vorne:

Bild 43

Ganz zum Abschluß noch ein "Schmankerl" ... So sah der 579 WK aus, nachdem er vollständig zerlegt worden war:

Bild 43a

Chassis und Netzttransformator wurden mit Phosphor-Säure entrostet und mit silbernem Felgenlack besprüht. Alle übrigen Teile, auch der Wellenschalter, die ZF-Abschirmhauben, die Tastenmechanik, der Drehkondensator usw. wurden zunächst mit Felgenreiniger behandelt und wenn es sich um bewegte Teile gehandelt hat, mit zähflüssigem Maschinenöl (Gleitlageröl von der Drehbank) gangbar gemacht.

Inzwischen funktioniert das Gerät wieder einwandfrei auf allen Bändern. Der Neubau erfolgte anhand der in Teilen gezeigten Schaltung, die komplette Schaltung, auch als DXF-Datei verfügbar (z.B. AutoCad) kann bei Hans erfragt werden, wenn er wieder aus dem Krankenhaus zurück gekehrt ist.

Das Holzgehäuse ist noch in Arbeit, aus jahreszeitlichen Gründen wird seine Restaurierung noch bis ins kommende Jahr dauern, es muß telweise neu furniert werden. Dann stelle ich hier noch nachträglich einige Bilder rein.

Für die Interessierten hier noch die Seriennummer des Gerätes. Sie wurde mit etwas Seitenlicht aufgenommen, um die eingestanzte 1. Stelle sichtbar zu machen.


Bild 44


Das war der Bericht über den Telefunken 579 WK, das "Kuckuksei" von Telefunken aus dem Jahre 1939.


Derzeit steht das Gehäuse zu diesem seltenen Gerät hier im Museum.

Da ein Freund mir bei dem Opta 237 GW half, habe ich mich bereit erklärt mich um das Gehäuse zu kümmern. Das Gehäuse muss wohl mit der rechten Seite gegen eine nasse Wand gestanden haben. Das Furnier war teilweise abgelöst und sehr rissig.

Fertig ist es noch nicht aber der Stand der Dinge ist hier zu sehen.

Nach dem abziehen mit Heißluft.

Das neue Furnier.

So sieht es derzeit aus aber es müssen noch einige Schichten Schellack auf das Gehäuse.

Dazu muss es aber immer wieder geschliffen werden.

Und so geht es dann weiter.


Hallo Hans,

... jaaa, sieht prima aus !

So hätte ich das nicht hinbekommen, weil mir dazu u.a. die erforderlichen Räumlichkeiten fehlen.

Das Gerät stand, wenn ich mich richtig an die urprüngliche Besitzerin erinnere, in einem Pferdestall in Luxemburg, da wurde dem Furnier keine Achtung geschenkt.

Wenn die "Hochzeit" zwischen Gehäuse und Chassis erfolgt ist, folgen weitere Bilder.

Alles weitere später ...

Ich sage einfach nur: Danke !


Genau so ist es mit der Zeit die sollte man schon haben wie Juan schreibt.

Ich hatte mir auch Zeit genommen, aber dann ist mit der Ballenmatierung = Lackierung etwas schief gegangen

Das Gehäuse wurde zuvor geschliffen und entstaubt ging alles prima, dann kam die erste Schicht vom Lack drauf aber auf dem Deckel = Oberseite stimmte etwas nicht nach dem trocknen schliff ich das ganze nochmals an und es kam eine weitere Schicht Lack drauf und wieder perlte der Lack in der Mitte der Oberseite.

Was ist das?

Ja das war natürlich Käse, aber so einen Fall hatte ich vor langer Zeit schon einmal als ich eine Truhe zum Leben erweckte.

Da auf der Oberseite genau in der Mitte auch schon der Lack fehlte als ich das Gehäuse von Rainer mitbrachte liegt die Vermutung nah das irgend ein fetthaltiges Mittel ins Holz eingezogen war und diese Schaden verursachte, also Lack auf der Oberfläche runter es wurde mit Aceton abgewaschen noch einmal an-geschliffen und mit einer Schnellschleifgrundierung von Clou bearbeitet. Dann nochmals fein geschliffen. Dann kam die erste Lackschicht drauf der Lack hielt aber dennoch kam der Katzenjammer denn ich hatte nicht gesehen das beim reinigen der Oberseite vom Aceton teilweise etwas an den Seiten herunter gelaufen war

Also gab es nur einen Weg alles wieder runter abwaschen mit Aceton, das Ergebnis hier:

Ja so kann es gehen aber ich habe etwas gelernt, zudem habe ich gesehen das diese Ballenmatierung obwohl drauf steht Farblos das Gehäuse immer dunkler machte mit jeder Schicht die drauf kam.

Den Teilweise konnte man schon nichts mehr von dem doch schönen Struktur sehen.

Nun muss ich schauen wie ich es mache, denn lackieren mit Mundschutz ist nicht möglich, da bekomme ich keine Luft. Aber es wird einen Weg geben.

Genau so ist es mit der Zeit die sollte man schon haben wie Juan schreibt.

Ich hatte mir auch Zeit genommen, aber dann ist mit der Ballenmatierung = Lackierung etwas schief gegangen

Das Gehäuse wurde zuvor geschliffen und entstaubt ging alles prima, dann kam die erste Schicht vom Lack drauf aber auf dem Deckel = Oberseite stimmte etwas nicht nach dem trocknen schliff ich das ganze nochmals an und es kam eine weitere Schicht Lack drauf und wieder perlte der Lack in der Mitte der Oberseite.

Was ist das

Ja das war natürlich Käse, aber so einen Fall hatte ich vor langer Zeit schon einmal als ich eine Truhe zum Leben erweckte.

Da auf der Oberseite genau in der Mitte auch schon der Lack fehlte als ich das Gehäuse von Rainer mitbrachte liegt die Vermutung nah das irgend ein fetthaltiges Mittel ins Holz eingezogen war und diese Schaden verursachte, also Lack auf der Oberfläche runter es wurde mit Aceton abgewaschen noch einmal an-geschliffen und mit einer Schnellschleifgrundierung von Clou bearbeitet.

Dann nochmals fein geschliffen.


Also gab es nur einen Weg alles wieder runter abwaschen mit Aceton, das Ergebnis hier:

Ja so kann es gehen aber ich habe etwas gelernt, zudem habe ich gesehen das diese Ballenmatierung obwohl drauf steht Farblos das Gehäuse immer dunkler machte mit jeder Schicht die drauf kam.

Den Teilweise konnte man schon nichts mehr von dem doch schönen Struktur sehen.

Nun muss ich schauen wie ich es mache, denn lackieren mit Mundschutz ist nicht möglich, da bekomme ich keine Luft. Aber es wird einen Weg geben. Endlich fertig

Nach dem trocknen und aushärten habe ich heute das Gerät etwas mit 4 x 0000er Stahlwolle und etwas Politur aufpoliert und danach die Zierleisten wieder eingeklebt.

Muss nun schauen dass das Gehäuse wieder nach Rainer kommt.


Die rechte Seite ist leider etwas heller da diese neu furniert wurde vor der Lackierung sah es mit dem alten Furnier fast gleich aus auch nach dem lackieren war das noch so, nun nach drei oder vier Monaten Steh-zeit ist es warum auch immer heller geworden. Aber ich denke damit kann man leben.

Hier gibt es einige Bilder von der Hochzeit.


zuerst der mittlerweile erforderliche Vortext, leider :


Die vorgestellten Bilder, Schaltbilder sowie der textliche Inhalt unterliegen dem deutschen Urheberrecht. Vervielfältigung, Bearbeitung und Verbreitung oder jedwede andere Art der Verwertung außerhalb der Grenzen des Urheberrechts bedürfen meiner schriftlichen Zustimmung. Private Downloads und Kopien der Bilder sind ausdrücklich gestattet.

Ich bitte nochmals um Beachtung da unsere Daten = Schaltung widerrechtlich kopiert und veröffentlicht wurden.



Im Jahr 2014 ging das Gerät dann in den Bestand des Radiomuseum über, das geschah beim letzten Sammlertreffen was es hier im Museum gab.
Einem guten Freund möchte ich mit diesem Beitrag hier im Wiki danken. Sein Leben war sein Hobby.